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Zukunft Immobilienverwaltung
Digitalisierung & SoftwareDeep Dive45 Min Lesezeit

Papierfrei in 90 Tagen: Scanner-Setup, OCR, GoBD-Konformität — vollständiger Stufenplan

Die Entscheidung steht: Ihre Verwaltung soll papierärmer werden. Im Überblicksartikel haben Sie die drei Stufen kennengelernt — Scannen, Strukturieren, Automatisieren. Jetzt geht es an die Umsetzung.

Papierfrei in 90 Tagen: Scanner-Setup, OCR, GoBD-Konformität — vollständiger Stu

Die Entscheidung steht: Ihre Verwaltung soll papierärmer werden. Im Überblicksartikel haben Sie die drei Stufen kennengelernt — Scannen, Strukturieren, Automatisieren. Jetzt geht es an die Umsetzung.

Dieser Artikel ist Ihr konkreter Fahrplan für 90 Tage. Woche für Woche. Mit Produktempfehlungen, die auf Hausverwaltungen zugeschnitten sind. Mit GoBD-Vorgaben, die Sie kennen müssen. Und mit einem Fallbeispiel einer 300-WE-Verwaltung, die diesen Weg gegangen ist.

Eines vorweg: 90 Tage reichen nicht für die vollständige Digitalisierung einer gewachsenen Verwaltung. Aber 90 Tage reichen, um ein System aufzubauen, das ab Tag 91 produktiv arbeitet.

Was "GoBD-konform scannen" konkret bedeutet

Bevor ein einziges Blatt durch den Scanner läuft, müssen Sie verstehen, was die GoBD (Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff) von Ihnen verlangen.

Die vollstaendige Checkliste steht als kostenloser Download bereit -- siehe unten.

Verfahrensdokumentation: Pflicht, nicht Kür

Die GoBD verlangen, dass Sie dokumentieren, wie Sie scannen. Nicht in einem 200-Seiten-Handbuch, sondern in einer nachvollziehbaren Beschreibung Ihres Prozesses. Die Verfahrensdokumentation beantwortet fünf Fragen:

  1. Was wird gescannt? (Alle eingehenden Papierdokumente, Rechnungen, Verträge, Korrespondenz)

  2. Wer scannt? (Namentlich oder nach Rolle: "Die Empfangsmitarbeiterin" oder "Der/die zuständige Sachbearbeiter/in")

  3. Wann wird gescannt? (Täglich bis 10:00 Uhr, unmittelbar nach Posteingang, etc.)

  4. Wie wird gescannt? (Auflösung, Format, Farbtiefe, Benennung)

  5. Wo wird gespeichert? (Zielsystem, Pfadkonvention, Backup)

Eine Verfahrensdokumentation muss nicht juristisch formuliert sein. Sie muss vollständig und aktuell sein. Drei bis fünf Seiten reichen in der Regel. Wichtig: Wenn Sie den Prozess ändern, muss die Dokumentation nachgezogen werden.

Originalaufbewahrung: Was darf vernichtet werden?

Ein verbreiteter Irrtum: "Wenn ich es gescannt habe, kann ich das Original wegwerfen." Das stimmt — aber nicht für alles.

Vernichtung nach dem Scannen erlaubt bei:

  • Eingangsrechnungen (sofern kein Vorsteuerabzug an die Papierform geknüpft ist)

  • Allgemeine Geschäftskorrespondenz

  • Interne Notizen und Vermerke

  • Angebote und Kostenvoranschläge

Original muss aufbewahrt werden bei:

  • Notariellen Urkunden und beglaubigten Dokumenten

  • Eröffnungsbilanzen und Jahresabschlüssen (handschriftlich unterschrieben)

  • Dokumenten mit spezifischer Beweisfunktion (z. B. Bürgschaftsurkunden)

  • Dokumenten, bei denen die Papierform gesetzlich vorgeschrieben ist

Praxistipp: Führen Sie eine "Vernichtungsliste", die klar regelt, welche Dokumenttypen nach dem Scannen vernichtet werden dürfen. Das gehört in die Verfahrensdokumentation.

Unveränderbarkeit: Der Kern der GoBD

Das gescannte Dokument muss so gespeichert werden, dass es nachträglich nicht verändert werden kann. In der Praxis bedeutet das:

  • PDF/A als Dateiformat (nicht normales PDF, nicht TIFF)

  • Speicherung in einem System mit Versionierung oder Schreibschutz

  • Protokollierung von Zugriffen (wer hat wann was geöffnet/geändert)

Ein einfacher Dateiserver im Windows-Netzwerk erfüllt diese Anforderung nicht. Entweder nutzen Sie ein DMS mit GoBD-Zertifizierung, eine Verwaltungssoftware mit integrierter Dokumentenablage oder Sie setzen auf eine WORM-fähige Speicherlösung (Write Once, Read Many).

Woche 1-2: Hardware — Den richtigen Scanner auswählen

Diese Pruefpunkte koennen Sie als PDF-Checkliste herunterladen -- siehe Downloads am Ende.

Dokumentenscanner vs. Multifunktionsgerät

Die vollständige Checkliste mit allen Prüfpunkten steht Ihnen als kostenloser Download zur Verfügung — siehe Download-Bereich am Ende dieses Artikels.

Ihr Bürodrucker hat einen Scanner? Vergessen Sie ihn. Für gelegentliches Scannen mag er reichen, für die tägliche Digitalisierung von 20 bis 100 Seiten nicht. Die Gründe:

| Kriterium | Multifunktionsgerät (MFP) | Dokumentenscanner | |-----------|--------------------------|-------------------| | Geschwindigkeit | 10-15 Seiten/Min. | 25-60 Seiten/Min. | | Einzelblatteinzug (ADF) | oft nur 20-30 Blatt | 50-80 Blatt | | Doppelseitiges Scannen | selten, langsam | Standard (Duplex) | | Papierformate | A4, manchmal A3 | A4 bis A3, Visitenkarten, Belege | | OCR-Qualität | Basis-OCR | Professionelle OCR-Engine | | Scan-Profile | kaum konfigurierbar | frei definierbar (Rechnung, Vertrag, Brief) |

Empfehlungen für Hausverwaltungen

Für Verwaltungen bis 500 WE:

  • Fujitsu ScanSnap iX1600 — Der Klassiker im Mittelstand. Scannt beidseitig, erkennt Dokumenttypen, liefert durchsuchbare PDFs. WLAN-fähig, sodass mehrere Arbeitsplätze darauf zugreifen können. Straßenpreis ca. 350-400 EUR.

  • Brother ADS-4700W — Vergleichbare Leistung, etwas robuster bei gemischten Papierformaten (Belege, A4, A3 gefaltet). Netzwerkfähig. Straßenpreis ca. 400-450 EUR.

Für Verwaltungen ab 500 WE oder hohem Scanaufkommen:

  • Fujitsu fi-8170 — Profi-Gerät für Dauerbetrieb. 70 Seiten/Minute, ADF für 80 Blatt, robuste Einzugsmechanik. Straßenpreis ca. 700-800 EUR.

  • Kodak Alaris S2070 — Ähnliche Leistungsklasse, gute Software-Integration. Straßenpreis ca. 650-750 EUR.

Zusätzlich sinnvoll:

  • Ein mobiler Scanner für Außentermine und Wohnungsübergaben (z. B. Fujitsu ScanSnap iX100, ca. 200 EUR)

  • Eine Smartphone-App mit OCR für Einzelbelege unterwegs (z. B. Adobe Scan, Microsoft Lens — beide kostenlos)

Scanner-Setup: Die ersten Einstellungen

Bevor der erste produktive Scan läuft, konfigurieren Sie folgende Grundeinstellungen:

  • Auflösung: 300 dpi für Standarddokumente, 600 dpi für Dokumente mit feiner Schrift oder Grafiken

  • Farbe: Automatische Erkennung (Farbe/Graustufen/Schwarzweiß) — vermeiden Sie "immer Farbe", das bläht die Dateigröße unnötig auf

  • Format: PDF/A (nicht PDF, nicht JPEG, nicht TIFF)

  • Duplex: Immer aktiviert — der Scanner erkennt leere Rückseiten und überspringt sie

  • Dateiname: Automatisch mit Datum, z. B. `2026-03-28_Scan_001.pdf` — die finale Benennung erfolgt im nächsten Schritt

Woche 2-4: Software-Setup — OCR, Indexierung, automatische Benennung

Laden Sie die Checkliste herunter, damit Sie bei der Umsetzung nichts vergessen.

OCR: Aus Bildern wird durchsuchbarer Text

Alle Prüfpunkte als druckbare PDF-Checkliste finden Sie im Download-Bereich unten.

OCR (Optical Character Recognition) ist die Schlüsseltechnologie der Digitalisierung. Ohne OCR haben Sie ein Bild eines Dokuments. Mit OCR haben Sie ein durchsuchbares, kopierbares, indexierbares Dokument.

Integrierte OCR-Lösungen (im Scanner enthalten):

  • Fujitsu ScanSnap: Liefert "ScanSnap Home" mit brauchbarer OCR-Engine

  • Brother ADS: Nutzt die Kofax-Engine, ebenfalls solide

Standalone-OCR-Software:

  • ABBYY FineReader PDF — Der Industriestandard. Hervorragende Erkennung, auch bei schlechten Vorlagen. Ca. 200 EUR (Einzellizenz) oder ab 70 EUR/Jahr (Abo).

  • Adobe Acrobat Pro — Gute OCR, zusätzlich PDF-Bearbeitungsfunktionen. Ab 24 EUR/Monat.

Kostenlose Alternativen:

  • Tesseract OCR — Open Source, hervorragende Erkennung, aber ohne grafische Oberfläche. Für technisch versierte Teams.

Indexierung: Das Dokument findet seinen Platz

OCR allein reicht nicht. Ein durchsuchbares PDF auf einem unstrukturierten Dateiserver ist nur geringfügig besser als ein Papierstapel. Indexierung bedeutet: Jedes Dokument bekommt Metadaten.

Pflicht-Metadaten für die Hausverwaltung:

  • Dokumenttyp (Rechnung, Vertrag, Bescheid, Korrespondenz, Protokoll)

  • Objektzuordnung (Objektnummer oder -name)

  • Mieterzuordnung (bei mieterbezogenen Dokumenten)

  • Eingangsdatum

  • Absender

Optional, aber empfehlenswert:

  • Rechnungsbetrag (bei Rechnungen)

  • Fälligkeit oder Frist

  • Vorgangsnummer

Automatische Benennung: Schluss mit "Scan_001.pdf"

Definieren Sie eine verbindliche Namenskonvention. Die bewährteste für Hausverwaltungen:

``` JJJJ-MM-TT_[Objektnr]_[Dokumenttyp]_[Absender/Betreff].pdf ```

Beispiele:

  • `2026-03-28_OBJ-1042_Rechnung_Gartenpflege-Mueller.pdf`

  • `2026-03-28_OBJ-1042_Mietvertrag_Schneider-Hans.pdf`

  • `2026-03-28_ALLG_Bescheid_Finanzamt-Koerperschaftsteuer.pdf`

Gute Scanner-Software kann einen Teil der Benennung automatisieren. Der ScanSnap iX1600 etwa liest per OCR das Datum aus dem Dokument und setzt es als Dateinamensbestandteil ein. Den Rest müssen Sie in der Regel manuell ergänzen — es sei denn, Ihre Verwaltungssoftware übernimmt die Zuordnung.

Woche 4-6: Workflow etablieren — Vom Scannen zur Routine

Technologie ist die halbe Miete. Die andere Hälfte ist Disziplin. In Woche 4 bis 6 geht es darum, den Scanprozess so fest in den Arbeitsalltag zu integrieren, dass er nicht mehr wegzudenken ist.

Die passende Vorlage können Sie als Word-Dokument herunterladen — mit allen Platzhaltern zum Ausfüllen. Siehe Downloads am Ende.

Alle Punkte dieses Abschnitts finden Sie gebuendelt in der PDF-Checkliste weiter unten.

Der tägliche Scanvorgang

Etablieren Sie eine feste Routine:

Morgens, 8:30-9:00 Uhr (oder nach Posteingang):

  1. Post öffnen und sortieren: Was ist steuerlich relevant? Was ist mieterbezogen? Was ist allgemeine Korrespondenz?

  2. Stapel in den Scanner — Dokumentenscanner mit ADF schaffen das in Minuten

  3. OCR-Lauf und Qualitätsprüfung: Sind alle Seiten erfasst? Ist die Erkennung sauber?

  4. Benennung und Zuordnung: Metadaten vergeben, in Zielsystem ablegen

  5. Papieroriginale in chronologische Ablage (beschriftet mit Monat/Jahr)

Zeitaufwand: Nach der Eingewöhnung benötigen Sie für 30-50 Poststücke etwa 20-30 Minuten. Zwei bis drei Wochen, dann sitzt die Routine.

Prüfroutine: Qualität sicherstellen

Einmal pro Woche sollte eine Person stichprobenartig prüfen:

  • Sind alle Dokumente der Woche im System? (Abgleich mit Posteingangsbuch oder Stempel)

  • Stimmen die Zuordnungen? (Stichprobe: 5 Dokumente aufrufen, Objekt- und Mieterzuordnung prüfen)

  • Ist die OCR-Qualität akzeptabel? (Volltextsuche nach einem Begriff testen)

Freigabeworkflow für Rechnungen

Rechnungen haben einen eigenen Workflow, der über das reine Scannen hinausgeht:

  1. Scan und OCR — Rechnung wird erfasst

  2. Sachliche Prüfung — Stimmt die Leistung? Wurde sie erbracht?

  3. Rechnerische Prüfung — Stimmen Beträge, MwSt., Konditionen?

  4. Freigabe — Durch befugte Person (oft Objektverwalter oder Geschäftsführung)

  5. Buchung — Übergabe an Buchhaltung

  6. Zahlung — Zahlungsanweisung

Dieser Workflow lässt sich digital erheblich beschleunigen. Statt eine Rechnung physisch von Schreibtisch zu Schreibtisch zu reichen, wird sie im System weitergeleitet. Jeder Schritt wird mit Zeitstempel und Bearbeiter protokolliert — das ist nebenbei GoBD-konform.

Woche 6-8: Bestandsdigitalisierung — Was zuerst, was später

Die laufende Post ist im Griff. Jetzt steht die unangenehme Frage: Was machen wir mit den 47 Ordnern im Archiv?

Die passende Vorlage können Sie als Word-Dokument herunterladen — mit allen Platzhaltern zum Ausfüllen. Siehe Downloads am Ende.

Nutzen Sie die Word-Vorlage im Download-Bereich als Ausgangspunkt fuer Ihr eigenes Dokument.

Priorisierung: Das Pareto-Prinzip gilt auch hier

Nicht alles muss sofort digitalisiert werden. Priorisieren Sie nach Nutzungshäufigkeit:

Priorität 1 (sofort, Woche 6-8):

  • Aktive Mietverträge mit allen Nachträgen und Anpassungen

  • Laufende Dienstleisterverträge (Hausmeister, Reinigung, Gartenpflege, Aufzugswartung)

  • Aktuelle Versicherungspolicen

  • Eigentümerbeschlüsse der letzten 3 Jahre (bei WEG-Verwaltung)

Priorität 2 (Woche 9-12 und darüber hinaus):

  • Beendete Mietverträge (innerhalb der Aufbewahrungsfrist)

  • Abrechnungsunterlagen der Vorjahre

  • Ältere Korrespondenz zu abgeschlossenen Vorgängen

Priorität 3 (bei Gelegenheit oder gar nicht):

  • Archivmaterial außerhalb der gesetzlichen Aufbewahrungsfristen

  • Doppelte Ausfertigungen, Kopien, Entwürfe

  • Prospekte, Kataloge, Werbematerial

Praxistipp: Scandienstleister für Altbestände

Für große Altbestände lohnt sich ein externer Scandienstleister. Spezialisierte Anbieter digitalisieren Ordner für 5-15 Cent pro Seite, inklusive OCR und Indexierung nach Ihren Vorgaben. Bei 50 Ordnern mit durchschnittlich 300 Seiten sind das 750-2.250 EUR — ein überschaubares Investment, das Wochen manueller Arbeit spart.

Achten Sie bei der Auswahl auf:

  • Zertifizierung nach TR-RESISCAN (BSI-Richtlinie für ersetzendes Scannen)

  • Datenschutzvereinbarung (Auftragsverarbeitungsvertrag nach DSGVO)

  • Rücktransport und definierte Vernichtung der Originale (falls gewünscht)

Woche 8-12: Automatisierung — Wo der Hebel am größten ist

Der Scanprozess läuft, die aktiven Bestände sind digital. Jetzt geht es um Effizienzgewinne.

Den Rechner für diese Berechnung finden Sie als Excel-Download am Ende des Artikels.

Eingangsrechnungen direkt in die Buchhaltung

Der größte Hebel liegt bei Eingangsrechnungen. Eine OCR-Engine der aktuellen Generation erkennt aus einer gescannten Rechnung:

  • Rechnungsnummer

  • Rechnungsdatum

  • Netto-/Bruttobetrag und MwSt.

  • IBAN und Zahlungsziel

  • Kreditorenname und -adresse

Diese Daten können per Schnittstelle (API, CSV-Import oder direkte Integration) in Ihre Buchhaltung übernommen werden. Die Sachbearbeiterin prüft und gibt frei, statt manuell abzutippen.

Zeitersparnis: 3-5 Minuten pro Rechnung. Bei 200 Rechnungen im Monat sind das 10-17 Stunden. Pro Monat.

Das Muster-Dokument koennen Sie als Word-Datei herunterladen und an Ihre Anforderungen anpassen.

Vertragsablage nach Objekt

Verträge, die digital eingehen (per E-Mail) oder gescannt werden, sollten automatisch dem richtigen Objekt zugeordnet werden. Das funktioniert über:

  • Regelbasierte Zuordnung: Die Objektnummer im Dokumenttext wird erkannt und das Dokument automatisch zugeordnet

  • Manuelle Zuordnung mit Vorschlag: Das System schlägt anhand des Absenders oder des Betreffs ein Objekt vor, die Sachbearbeiterin bestätigt

E-Mail-Integration

Ein häufig unterschätzter Bestandteil: Auch E-Mails sind Geschäftsdokumente. Richten Sie eine Weiterleitung oder BCC-Regel ein, die objektbezogene E-Mails automatisch im DMS ablegt. Das vermeidet die Situation, dass Informationen in individuellen Outlook-Postfächern verschwinden.

GoBD im Detail: Die drei Säulen der Compliance

Säule 1: Verfahrensdokumentation erstellen

Diese Übersicht steht Ihnen auch als druckbares PDF zur Verfügung — siehe Download-Bereich.

Die Verfahrensdokumentation ist das zentrale Dokument für Ihre GoBD-Konformität. Sie besteht aus vier Teilen:

1. Allgemeine Beschreibung

  • Name und Anschrift des Unternehmens

  • Verantwortliche Person für die Dokumentation

  • Datum der Erstellung und letzte Aktualisierung

2. Anwenderdokumentation

  • Schritt-für-Schritt-Beschreibung des Scanprozesses

  • Beschreibung der Qualitätssicherung

  • Beschreibung der Ablage und Archivierung

  • Regelung zur Vernichtung von Originalen

3. Technische Systemdokumentation

  • Eingesetzte Hardware (Scanner-Modell, Firmware-Version)

  • Eingesetzte Software (OCR, DMS, Buchhaltung)

  • Schnittstellen zwischen den Systemen

  • Backup-Konzept

4. Betriebsdokumentation

  • Protokollierung von Systemänderungen

  • Zugriffsregelungen (wer darf was)

  • Notfallkonzept (was passiert bei Systemausfall)

Praxistipp: Das BMF stellt keine offizielle Vorlage bereit, aber die Bundessteuerberaterkammer und diverse IHKs bieten Muster an. Suchen Sie nach "Muster Verfahrensdokumentation GoBD" — Sie finden brauchbare Vorlagen, die Sie auf Ihre Verwaltung anpassen können.

Tipp: Die passende Mustervorlage als Word-Dokument steht im Download-Bereich bereit.

Säule 2: Unveränderbarkeit sicherstellen

Unveränderbarkeit bedeutet nicht, dass ein Dokument nie wieder angefasst werden darf. Es bedeutet, dass jede Änderung nachvollziehbar protokolliert wird. In der Praxis heißt das:

  • PDF/A-Format: Das Dokument wird beim Scannen als PDF/A gespeichert. PDF/A ist ein ISO-Standard, der die Langzeitarchivierung sicherstellt. Keine eingebetteten Makros, keine externen Verlinkungen, alle Schriften eingebettet.

  • Versionierung: Wenn ein Dokument nachträglich annotiert oder ergänzt wird, bleibt die Originalversion erhalten. Die neue Version wird als Revision gespeichert.

  • Zeitstempel: Jedes Dokument erhält beim Speichern einen Zeitstempel. Idealerweise einen qualifizierten Zeitstempel eines vertrauenswürdigen Dienstanbieters — in der Praxis reicht für die meisten Verwaltungen der Systemzeitstempel, sofern der Server zeitsynchronisiert ist (NTP).

  • Zugriffsprotokoll: Wer hat wann welches Dokument geöffnet, gedruckt, exportiert?

Säule 3: Aufbewahrungsfristen einhalten

Die Aufbewahrungsfristen in der Hausverwaltung sind vielschichtig:

| Dokumenttyp | Frist | Rechtsgrundlage | |-------------|-------|-----------------| | Buchungsbelege (Rechnungen, Kontoauszüge) | 10 Jahre | § 147 AO, § 257 HGB | | Jahresabschlüsse, Bilanzen | 10 Jahre | § 147 AO | | Geschäftsbriefe (empfangen/gesendet) | 6 Jahre | § 257 HGB | | Mietverträge | 6 Jahre nach Vertragsende | § 257 HGB | | Nebenkostenabrechnungen | 10 Jahre (als Buchungsbeleg) | § 147 AO | | Eigentümerbeschlüsse (WEG) | Dauerhaft empfohlen | — | | Bauunterlagen, Genehmigungen | Lebensdauer des Gebäudes | Landesbauordnungen |

Wichtig: Die Frist beginnt mit dem Ende des Kalenderjahres, in dem das Dokument entstanden ist oder der Vorgang abgeschlossen wurde. Eine Rechnung vom März 2026 muss bis Ende 2036 aufbewahrt werden.

Fallbeispiel: Eine 300-WE-Verwaltung digitalisiert in 90 Tagen

Die Hausverwaltung Bergmann & Partner verwaltet 300 Wohneinheiten in 22 Objekten, verteilt auf eine mittelgroße Stadt in Nordrhein-Westfalen. Vier Sachbearbeiterinnen, eine Buchhalterin, ein Geschäftsführer. Die Ausgangslage: 120 laufende Meter Akten, Rechnungen auf Papier, Mietverträge in Hängeregistraturen.

Alle Details als strukturierte Checkliste zum Abhaken: siehe Downloads unten.

Ausgangssituation

  • Täglicher Posteingang: 30-40 Dokumente

  • Monatliche Eingangsrechnungen: ca. 180

  • Aktive Mietverträge: 280

  • Dienstleisterverträge: 65

  • IT: Windows-Server, keine DMS-Software, Outlook für E-Mail

  • Budget: 5.000 EUR für Hardware und Software

Die passenden Arbeitsmaterialien stehen Ihnen im Download-Bereich kostenlos zur Verfuegung.

Woche 1-2: Beschaffung und Setup

Angeschafft wurden:

  • 2x Fujitsu ScanSnap iX1600 (je 380 EUR = 760 EUR)

  • 1x ABBYY FineReader PDF, 5-Platz-Lizenz (480 EUR)

  • 1x Fujitsu ScanSnap iX100 mobil für Außentermine (195 EUR)

Eingerichtet wurde eine Ordnerstruktur auf dem Server: ``` /Dokumente/ /[Objektnr]_[Objektname]/ /Verträge/ /Rechnungen/ /Korrespondenz/ /Bescheide/ /Protokolle/ /Verwaltung-intern/ /Buchhaltung/ /Personal/ /Versicherungen/ ```

Namenskonvention und Verfahrensdokumentation wurden erstellt. Gesamtaufwand: 2 Tage für den Geschäftsführer, je 1 Tag Einweisung für die Sachbearbeiterinnen.

Woche 3-4: Posteingang digital

Ab Tag 15 wurde jedes Poststück gescannt. Die ersten drei Tage waren mühsam — die Benennung dauerte länger als erwartet, die Zuordnung zu Objekten war nicht immer eindeutig. Ab Tag 18 lief es. Ab Tag 22 war es Routine.

Ergebnis nach 2 Wochen: 100 % des Posteingangs digital erfasst. Durchschnittlicher Zeitaufwand: 25 Minuten am Morgen für eine Sachbearbeiterin.

Woche 5-8: Bestandsdigitalisierung

Der Bestand wurde priorisiert:

  • Woche 5-6: Alle 280 aktiven Mietverträge mit Nachträgen (ca. 1.400 Seiten)

  • Woche 7: 65 Dienstleisterverträge (ca. 500 Seiten)

  • Woche 8: Aktuelle Versicherungspolicen und Eigentümerbeschlüsse der letzten 3 Jahre

Die Sachbearbeiterinnen scannten ihren jeweiligen Bestand selbst — jede kannte ihre Objekte am besten. Zeitaufwand: ca. 2 Stunden pro Person pro Woche, zusätzlich zum Tagesgeschäft.

Woche 9-12: Erste Automatisierung

Der Rechnungsworkflow wurde digital umgestellt:

  1. Rechnung wird gescannt und per OCR erfasst

  2. ABBYY extrahiert Rechnungsnummer, Betrag, Datum

  3. Sachbearbeiterin ordnet die Rechnung dem Objekt zu und gibt frei

  4. Export der Buchungsdaten als CSV in die Buchhaltungssoftware

Ergebnis: Die Bearbeitungszeit pro Rechnung sank von durchschnittlich 8 Minuten (Papier) auf 3 Minuten (digital). Bei 180 Rechnungen im Monat: 15 Stunden Zeitersparnis pro Monat.

Tipp: Scrollen Sie zum Download-Bereich fuer alle Vorlagen und Checklisten zu diesem Thema.

Gesamtkosten und -nutzen

| Position | Kosten | |----------|--------| | Hardware (Scanner) | 1.335 EUR | | Software (ABBYY, 5 Plätze) | 480 EUR | | Arbeitszeit Setup (geschätzt, 5 Personentage) | ca. 2.500 EUR | | Gesamt | ca. 4.315 EUR |

| Nutzen (monatlich) | Ersparnis | |---------------------|-----------| | Rechnungsbearbeitung | 15 Stunden | | Dokumentensuche (geschätzt) | 8-10 Stunden | | Reduzierte Papier-/Druckkosten | ca. 150 EUR |

Die Investition hatte sich nach weniger als zwei Monaten amortisiert.

Dokumente direkt zuordnen statt manuell sortieren

In MieterOS laden Sie Dokumente direkt zum Objekt oder Mieter hoch. Das System erkennt den Dokumenttyp und die Zuordnung automatisch und speichert GoBD-konform mit Zeitstempel und Versionierung. Statt Ordnerstrukturen manuell zu pflegen und Dateien umzubenennen, ziehen Sie das Dokument ins System — den Rest übernimmt die Software.

Das macht vor allem die Wochen 4-8 des Stufenplans erheblich schlanker: Die manuelle Zuordnung und Benennung entfällt, weil das System anhand von OCR-Erkennung, Objektdaten und Mieterstammdaten automatisch vorschlägt, wohin ein Dokument gehört. Die Sachbearbeiterin bestätigt mit einem Klick.

Hinweis: Produktnennungen und Preisangaben dienen der Orientierung und stellen keine Kaufempfehlung dar. Preise beziehen sich auf den deutschen Markt, Stand Anfang 2026, und können abweichen.

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  • 90-Tage-Plan Papierfrei (PDF)

  • Verfahrensdokumentation Ersetzendes Scannen (Word)

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