Unternehmensbewertung einer Hausverwaltung: Ertragswert, Multiplikatoren, Fallbe
Warum die Bewertung alles entscheidet
Der Kaufpreis ist das Ergebnis einer Verhandlung. Aber jede Verhandlung braucht eine Grundlage. Ohne fundierte Bewertung verkaufen Sie entweder unter Wert — oder Sie setzen einen Preis an, der potenzielle Käufer abschreckt. Beides kostet Sie Geld: das eine direkt, das andere durch entgangene Abschlüsse.
Die Bewertung einer Hausverwaltung ist kein akademisches Glasperlenspiel. Sie folgt nachvollziehbaren Methoden, die sich in hunderten Transaktionen bewährt haben. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Bewertungen in der Branche funktionieren — mit konkreten Zahlen, realistischen Szenarien und den Fallstricken, die in der Praxis den Unterschied machen.
Grundlagen der Ertragswertberechnung
Der bereinigte Inhaberertrag als Ausgangspunkt
Die vollständige Checkliste mit allen Prüfpunkten steht Ihnen als kostenloser Download zur Verfügung — siehe Download-Bereich am Ende dieses Artikels.
Alles beginnt mit einer Zahl: dem bereinigten Inhaberertrag. Das ist der wirtschaftliche Ertrag, den das Unternehmen seinem Inhaber jährlich zur Verfügung stellt — unabhängig davon, wie dieser buchhalterisch verteilt ist.
Bestandteile des Inhaberertrags:
| Position | Beispielwert | |----------|-------------| | Geschäftsführergehalt | 96.000 EUR | | Firmenwagen (Privatanteil) | 8.400 EUR | | Betriebliche Altersvorsorge (nur Inhaber) | 6.000 EUR | | Buchgewinn (nach Steuern) | 45.000 EUR | | Einmaleffekte (herausgerechnet) | -12.000 EUR | | Bereinigter Inhaberertrag | 143.400 EUR |
Bereinigung bedeutet: Sie eliminieren alles, was nicht dem normalen Geschäftsbetrieb entspricht. Einmalige Rechtsstreitigkeiten, außerordentliche Instandhaltungskosten am eigenen Büro, Abfindungen — das alles verfälscht das Bild. Umgekehrt addieren Sie Positionen, die ein Käufer nicht hätte: Ihre private Krankenversicherung über die Firma, den Firmenwagen Ihrer Ehefrau.
Normalisierung über drei Jahre
Ein einzelnes Geschäftsjahr ist keine belastbare Basis. Vielleicht war 2024 besonders gut, weil Sie drei neue WEGs gewonnen haben. Vielleicht war 2023 schlecht, weil ein Großmandat abgesprungen ist. Käufer normalisieren über mindestens drei Jahre:
| Jahr | Inhaberertrag | Gewichtung | |------|--------------|------------| | 2023 | 128.000 EUR | 20% | | 2024 | 155.000 EUR | 30% | | 2025 | 147.000 EUR | 50% | | Gewichteter Durchschnitt | 144.900 EUR | |
Die höhere Gewichtung des aktuellen Jahres reflektiert die Erwartung, dass die jüngste Entwicklung am besten die Zukunft abbildet. Manche Bewerter verwenden eine Gleichgewichtung — das ist Verhandlungssache.
Kapitalisierung: Vom Ertrag zum Unternehmenswert
Der klassische Ertragswert berechnet sich als:
Unternehmenswert = Nachhaltiger Jahresertrag / Kapitalisierungszinssatz
Der Kapitalisierungszinssatz setzt sich zusammen aus:
Basiszinssatz (risikofreier Zins, aktuell ca. 2,5-3,0%)
Branchenrisikozuschlag (bei HVs typisch 8-12%)
Unternehmensspezifischer Zuschlag (je nach Risikoprofil 2-8%)
Beispielrechnung:
Basiszins: 2,5%
Branchenrisiko: 10,0%
Unternehmensspezifisch: 4,0%
Kapitalisierungszins: 16,5%
Unternehmenswert = 144.900 EUR / 0,165 = 878.182 EUR
In der Praxis wird das Ertragswertverfahren bei Hausverwaltungen häufig durch das pragmatischere Multiplikatorverfahren ergänzt oder ersetzt — weil es für beide Seiten greifbarer ist.
Das Multiplikatorverfahren in der Praxis
Branchenübliche Multiplikatoren
Den Rechner für diese Berechnung finden Sie als Excel-Download am Ende des Artikels.
Multiplikatoren in der Hausverwaltungsbranche bewegen sich zwischen 0,8 und 1,5 des nachhaltigen Jahresertrags. In Ausnahmefällen — große, hochdigitalisierte Bestände in Top-Lagen — werden auch Faktoren von 1,8 oder mehr gezahlt. Ebenso gibt es Transaktionen unter 0,8, wenn erhebliche Risiken bestehen.
Orientierungswerte nach Bestandsgröße:
| Bestandsgröße | Typischer Multiplikator | Käufertyp | |---------------|------------------------|-----------| | Unter 300 WE | 0,8 - 1,0 | Lokaler Wettbewerber | | 300 - 800 WE | 1,0 - 1,2 | Regionale Konsolidierer | | 800 - 1.500 WE | 1,1 - 1,3 | Strategische Käufer | | 1.500 - 3.000 WE | 1,2 - 1,5 | Strategische Käufer, PE | | Über 3.000 WE | 1,3 - 1,8+ | Private Equity, Plattformen |
Diese Werte sind Richtwerte. Jede Transaktion ist individuell, und der konkrete Multiplikator ergibt sich aus dem Zusammenspiel zahlreicher Faktoren.
Die zehn wichtigsten Einflussfaktoren auf den Multiplikator
1. Vertragsstruktur und Mandatsstabilität
WEG-Verwaltung wird höher bewertet als Mietverwaltung. Der Grund: Ein WEG-Verwalter wird per Mehrheitsbeschluss bestellt und abberufen. In der Praxis bedeutet das eine hohe Mandatsstabilität — Verwalterwechsel kommen vor, sind aber selten. Mietverwaltungsverträge können dagegen oft mit kurzen Fristen gekündigt werden.
Relevante Fragen:
Wie hoch ist der WEG-Anteil am Gesamtbestand?
Wann wurden die Verwalterverträge zuletzt verlängert?
Gibt es laufende Abberufungsverfahren?
2. Bestandskonzentration und Klumpenrisiko
Wenn ein einzelner Auftraggeber 20 Prozent oder mehr Ihres Umsatzes ausmacht, ist das ein Risiko. Käufer kalkulieren einen Abschlag ein, weil der Verlust dieses Mandats den Ertrag empfindlich treffen würde.
Faustregel: Kein einzelnes Mandat sollte mehr als 10 Prozent des Gesamtertrags ausmachen. Liegt der Anteil höher, senkt das den Multiplikator um 0,1 bis 0,3 Punkte.
3. Inhaberabhängigkeit
Der wichtigste Bewertungsfaktor überhaupt. Wenn alle Eigentümer nur mit Ihnen persönlich sprechen wollen, wenn Sie jeden Handwerker selbst beauftragen und jede Abrechnung persönlich freigeben, dann ist Ihr Unternehmen im Wesentlichen ein Arbeitsplatz — mit dem Risiko, dass die Kunden mit Ihnen gehen.
Käufer fragen: Was passiert, wenn der Inhaber morgen ausfällt? Wenn die Antwort lautet „Dann bricht alles zusammen", sinkt der Multiplikator erheblich.
4. Digitalisierungsgrad
Eine Verwaltung, die mit moderner Branchensoftware arbeitet, digitale Akten führt, ein Eigentümerportal betreibt und automatisierte Mahnläufe hat, ist für Käufer attraktiver als eine mit Papierordnern und Excel-Tabellen. Nicht weil Technik Selbstzweck ist, sondern weil Digitalisierung Skalierbarkeit ermöglicht.
5. Gebührenniveau
Sind Ihre Verwalterhonorare marktgerecht? Unterdurchschnittliche Gebühren bedeuten Ertragspotenzial — der Käufer kann nach der Übernahme die Honorare anheben. Überdurchschnittliche Gebühren bergen das Risiko, dass Eigentümer nach einem Verwalterwechsel die Konditionen neu verhandeln.
6. Mitarbeiterstruktur
Qualifizierte, loyale Mitarbeiter sind ein Wertfaktor. Hohe Fluktuation, unbesetzte Stellen oder ein Team, das ausschließlich aus Minijobbern besteht, sind Risikofaktoren. Käufer prüfen: Wer sind die Schlüsselpersonen? Haben sie arbeitsvertragliche Bindung? Gibt es Wissenskonzentration bei einzelnen Mitarbeitern?
7. Geographische Lage
Hausverwaltungen in wirtschaftsstarken Ballungsräumen werden höher bewertet als solche in strukturschwachen ländlichen Regionen. Der Grund: höhere Marktmieten, stärkere Nachfrage nach Verwaltungsleistungen, größerer Pool potenzieller Käufer.
8. Wachstumsdynamik
Wächst Ihr Bestand oder schrumpft er? Steigende Bestandszahlen signalisieren Marktakzeptanz. Rückläufige Bestände erfordern eine Erklärung — und senken den Multiplikator, wenn der Trend anhält.
9. Rechtsrisiken und Altlasten
Laufende Rechtsstreitigkeiten, Haftungsrisiken aus fehlerhaften Abrechnungen, ungeklärte Versicherungsfälle — all das muss transparent sein. Käufer werden diese Risiken im Rahmen der Due Diligence aufdecken. Wer sie verschweigt, riskiert den Deal.
10. Prozessdokumentation
Gibt es schriftliche Prozessbeschreibungen für die wesentlichen Verwaltungsabläufe? Oder steckt das Wissen ausschließlich in den Köpfen der Mitarbeiter? Dokumentierte Prozesse reduzieren das Integrationsrisiko für den Käufer und erhöhen den Multiplikator.
Fallbeispiel 1: Hausverwaltung mit 500 WE
Ausgangssituation
Tipp: Laden Sie sich die Checkliste herunter und haken Sie jeden Punkt bei der nächsten Umsetzung ab.
Bestand: 500 WE, davon 350 WEG und 150 Mietverwaltung
Jahresumsatz: 480.000 EUR
Team: 4 Mitarbeiter (inkl. Inhaber)
Software: Domus, teilweise digitalisiert
Region: Mittelstadt, Westdeutschland
Inhaberalter: 58 Jahre
Inhaberabhängigkeit: Hoch — alle WEGs kennen nur den Inhaber
Ertragswertberechnung
| Position | Betrag | |----------|--------| | Geschäftsführergehalt | 84.000 EUR | | Betriebsergebnis (Durchschnitt 3 Jahre) | 52.000 EUR | | Privatanteil Firmenwagen | 6.000 EUR | | Einmalbereinigung | -8.000 EUR | | Bereinigter Inhaberertrag | 134.000 EUR |
Multiplikator-Ermittlung
| Faktor | Bewertung | Auswirkung | |--------|-----------|------------| | Vertragsstruktur | 70% WEG — gut | +0,1 | | Bestandsgröße | 500 WE — untere Mitte | Neutral | | Inhaberabhängigkeit | Hoch | -0,2 | | Digitalisierung | Teilweise | -0,05 | | Mitarbeiter | Stabil, aber klein | Neutral | | Region | Mittelstadt | -0,05 |
Basis-Multiplikator: 1,0 Adjustiert: 1,0 + 0,1 - 0,2 - 0,05 - 0,05 = 0,8
Ergebnis
Unternehmenswert = 134.000 EUR x 0,8 = 107.200 EUR
Das mag ernüchternd klingen. Aber es spiegelt die Realität: Ein 500-WE-Bestand mit hoher Inhaberabhängigkeit und partieller Digitalisierung ist für einen Käufer risikoreich. Die gute Nachricht: Durch gezielte Maßnahmen (Inhaberabhängigkeit reduzieren, Digitalisierung vorantreiben) lässt sich der Multiplikator innerhalb von 18 bis 24 Monaten auf 1,0 bis 1,1 heben — was den Wert auf 134.000 bis 147.400 EUR steigert.
Fallbeispiel 2: Hausverwaltung mit 1.000 WE
Ausgangssituation
Die passende Vorlage können Sie als Word-Dokument herunterladen — mit allen Platzhaltern zum Ausfüllen. Siehe Downloads am Ende.
Bestand: 1.000 WE, davon 700 WEG und 300 Mietverwaltung
Jahresumsatz: 920.000 EUR
Team: 8 Mitarbeiter (inkl. Inhaber)
Software: Haufe PowerHaus, weitgehend digitalisiert, Eigentümerportal
Region: Großstadt, Süddeutschland
Inhaberalter: 62 Jahre
Inhaberabhängigkeit: Mittel — zwei erfahrene Objektbetreuer tragen Verantwortung
Ertragswertberechnung
| Position | Betrag | |----------|--------| | Geschäftsführergehalt | 108.000 EUR | | Betriebsergebnis (Durchschnitt 3 Jahre) | 98.000 EUR | | Privatanteil Firmenwagen | 9.600 EUR | | Betriebliche Altersvorsorge (nur Inhaber) | 7.200 EUR | | Einmalbereinigung | -15.000 EUR | | Bereinigter Inhaberertrag | 207.800 EUR |
Multiplikator-Ermittlung
| Faktor | Bewertung | Auswirkung | |--------|-----------|------------| | Vertragsstruktur | 70% WEG — gut | +0,1 | | Bestandsgröße | 1.000 WE — attraktiv | +0,1 | | Inhaberabhängigkeit | Mittel | -0,05 | | Digitalisierung | Weitgehend digital | +0,1 | | Mitarbeiter | Stabil, erfahren | +0,05 | | Region | Großstadt Süddeutschland | +0,1 |
Basis-Multiplikator: 1,0 Adjustiert: 1,0 + 0,1 + 0,1 - 0,05 + 0,1 + 0,05 + 0,1 = 1,4
Ergebnis
Unternehmenswert = 207.800 EUR x 1,4 = 290.920 EUR
Deutlich attraktiver. Und mit dem richtigen Maßnahmenpaket (Inhaberabhängigkeit weiter senken, dritten Objektbetreuer einarbeiten) realistisch auf 1,5 hebbar — das wären 311.700 EUR.
Fallbeispiel 3: Hausverwaltung mit 2.000 WE
Ausgangssituation
Den Rechner für diese Berechnung finden Sie als Excel-Download am Ende des Artikels.
Bestand: 2.000 WE, davon 1.400 WEG, 500 Mietverwaltung, 100 Gewerbeverwaltung
Jahresumsatz: 1.850.000 EUR
Team: 15 Mitarbeiter (inkl. Inhaber und Prokurist)
Software: Aareon Wodis, vollständig digitalisiert, DMS, Portale, automatisierte Prozesse
Region: Metropolregion
Inhaberalter: 60 Jahre
Inhaberabhängigkeit: Gering — Prokurist führt Tagesgeschäft
Ertragswertberechnung
| Position | Betrag | |----------|--------| | Geschäftsführergehalt | 144.000 EUR | | Betriebsergebnis (Durchschnitt 3 Jahre) | 195.000 EUR | | Privatanteil Firmenwagen (2 Fahrzeuge) | 14.400 EUR | | Betriebliche Altersvorsorge | 12.000 EUR | | Mietfreie Büronutzung (Inhaber-Immobilie) | 24.000 EUR | | Einmalbereinigung | -18.000 EUR | | Bereinigter Inhaberertrag | 371.400 EUR |
Multiplikator-Ermittlung
| Faktor | Bewertung | Auswirkung | |--------|-----------|------------| | Vertragsstruktur | 70% WEG + Gewerbe | +0,15 | | Bestandsgröße | 2.000 WE — hochattraktiv | +0,15 | | Inhaberabhängigkeit | Gering | +0,15 | | Digitalisierung | Vollständig | +0,1 | | Mitarbeiter | Breit aufgestellt, Prokurist | +0,1 | | Region | Metropolregion | +0,1 |
Basis-Multiplikator: 1,0 Adjustiert: 1,0 + 0,15 + 0,15 + 0,15 + 0,1 + 0,1 + 0,1 = 1,75
Ergebnis
Unternehmenswert = 371.400 EUR x 1,75 = 649.950 EUR
Ab dieser Größenordnung kommen strategische Käufer und Private-Equity-Fonds ins Spiel. Die Professionalisierung des Unternehmens — Prokurist, dokumentierte Prozesse, vollständige Digitalisierung — macht sich im Multiplikator erheblich bemerkbar.
Alternative Bewertungsansätze
Wertermittlung pro Verwaltungseinheit
Diese Übersicht steht Ihnen auch als druckbares PDF zur Verfügung — siehe Download-Bereich.
Ein vereinfachter Ansatz, der in der Branche verbreitet ist: Preis pro verwalteter Einheit. Übliche Bandbreiten:
| Kategorie | Preis pro WE | |-----------|-------------| | Mietverwaltung (einfach) | 100 - 200 EUR | | WEG-Verwaltung (Standard) | 200 - 400 EUR | | WEG-Verwaltung (gut aufgestellt) | 350 - 600 EUR | | Gewerbeverwaltung | 400 - 800 EUR |
Dieser Ansatz ist nützlich als Schnellcheck, aber zu grob für eine Verkaufsverhandlung. Er ignoriert Ertragsunterschiede, Kostenstrukturen und qualitative Faktoren.
Umsatz-Multiplikator
Manchmal wird ein Vielfaches des Jahresumsatzes herangezogen. Übliche Bandbreite: 0,3 bis 0,8 des Jahresumsatzes. Auch dieser Ansatz ist ein grober Indikator — der Ertrag ist die bessere Bezugsgröße.
Discounted-Cashflow-Methode (DCF)
Die akademisch sauberste Methode. Künftige Zahlungsströme werden Jahr für Jahr prognostiziert und auf den heutigen Wert abgezinst. Bei Hausverwaltungen selten in Reinform angewandt, weil die Prognose künftiger Cashflows bei mandatsabhängigen Geschäftsmodellen mit erheblicher Unsicherheit behaftet ist.
DCF kommt zum Einsatz, wenn größere Transaktionen (ab 500.000 EUR Kaufpreis) durch Wirtschaftsprüfer begleitet werden.
Typische Bewertungsfehler
Fehler 1: Umsatz statt Ertrag bewerten
Alle Details als strukturierte Checkliste zum Abhaken: siehe Downloads unten.
„Mein Unternehmen macht eine Million Umsatz, also ist es eine Million wert." Diese Logik ist falsch. Umsatz sagt nichts über die Rentabilität. Eine Verwaltung mit 1 Mio. EUR Umsatz und 15% Marge ist weniger wert als eine mit 600.000 EUR Umsatz und 30% Marge.
Fehler 2: Goodwill überschätzen
„Mein guter Ruf ist unbezahlbar." Reputation hat Wert — aber nur, wenn sie übertragbar ist. Wenn Ihr guter Ruf an Ihrer Person hängt und nicht an der Firma, dann geht er mit Ihnen. Ein Käufer zahlt dafür nicht extra.
Fehler 3: Einmalerträge einrechnen
Ein einmaliger Sonderhonorar-Auftrag, eine Projektsteuerung für eine Sanierung, eine Versicherungsprovision — solche Einmaleffekte gehören nicht in die normalisierte Ertragsberechnung.
Fehler 4: Mietverwaltung und WEG-Verwaltung gleich bewerten
Die Mandatsstabilität unterscheidet sich fundamental. WEG-Verwaltung ist stabiler und wird höher bewertet. Wer beide Segmente über einen Kamm schert, verzerrt das Ergebnis.
Fehler 5: Keine professionelle Begleitung
Eine Selbstbewertung hat ihren Platz — als erste Orientierung. Für eine Verkaufsverhandlung brauchen Sie eine unabhängige, methodisch saubere Bewertung. Die Kosten (typisch 5.000 bis 15.000 EUR) amortisieren sich, wenn Sie damit einen auch nur um 10 Prozent höheren Kaufpreis erzielen.
Steuerwirkung auf den Netto-Erlös
Die Bewertung zeigt den Brutto-Unternehmenswert. Was nach Steuern bei Ihnen ankommt, hängt von der Rechtsform, der Deal-Struktur und Ihrem persönlichen Steuersatz ab.
Einzelunternehmen / Personengesellschaft:
Veräußerungsgewinn wird als Einkommen versteuert
Freibetrag nach §16 Abs. 4 EStG: 45.000 EUR (bei Veräußerungsgewinn bis 136.000 EUR)
Fünftelregelung nach §34 EStG (bei Alter 55+ oder dauerhafter Berufsunfähigkeit)
Ermäßigter Steuersatz nach §34 Abs. 3 EStG: einmalig, maximal 5 Mio. EUR
GmbH:
Teileinkünfteverfahren bei natürlichen Personen als Gesellschafter
60% des Veräußerungsgewinns sind steuerpflichtig
5% des Veräußerungsgewinns auf Ebene der verkaufenden GmbH (bei Share Deal)
Die steuerliche Gestaltung kann den Nettoerlös um 20 bis 40 Prozent beeinflussen. Ziehen Sie frühzeitig Ihren Steuerberater hinzu.
Was ein Käufer wirklich zahlt
Kaufpreisbestandteile
Der Kaufpreis besteht selten nur aus einer einzigen Summe. Üblich sind:
Fester Kaufpreis (80-90% des Gesamtpreises, bei Closing zahlbar)
Earn-Out-Komponente (10-20%, abhängig von Mandatserhalt oder Ertragszielen)
Beratervertrag (laufende Vergütung für Übergangstätigkeit, 6-24 Monate)
Wettbewerbsverbot (ggf. separat vergütet)
Beispiel bei einem Unternehmenswert von 300.000 EUR:
| Komponente | Betrag | Zeitpunkt | |------------|--------|-----------| | Fester Kaufpreis | 240.000 EUR | Bei Closing | | Earn-Out (Mandatserhalt 12 Monate) | 36.000 EUR | Nach 12 Monaten | | Beratervertrag (12 Monate) | 48.000 EUR | Monatlich | | Gesamtpaket | 324.000 EUR | |
Der Gesamtwert des Pakets liegt oft über dem reinen Unternehmenswert — weil der Käufer Ihre Expertise in der Übergangsphase separat vergütet.
Timing: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Marktzyklen in der Hausverwaltung
Die M&A-Aktivität in der Hausverwaltungsbranche folgt Zyklen:
2018-2021: Starke Konsolidierung, hohe Multiplikatoren, viele PE-Einstiege
2022-2023: Abkühlung durch Zinswende, vorsichtigere Bewertungen
2024-2026: Erneuter Anstieg — Branchenkonsolidierung geht weiter, demografischer Druck steigt
Der demografische Faktor ist dabei der stärkste Treiber: Die Inhabergeneration der Babyboomer erreicht das Rentenalter. In den nächsten zehn Jahren werden schätzungsweise 30 bis 40 Prozent aller Hausverwaltungen in Deutschland einen Inhaberwechsel erleben.
Persönliche Timing-Faktoren
3-5 Jahre vor geplantem Ausstieg: Idealer Zeitpunkt, um mit der Wertoptimierung zu beginnen
18-24 Monate vor Verkauf: Bewertung durchführen, Maßnahmen umsetzen, Käufermarkt sondieren
6-12 Monate vor Verkauf: Aktive Käufersuche, Verhandlungen
Wer erst anfängt, wenn der Verkauf dringend wird, verkauft fast immer unter Wert.
Datenaufbereitung
[ ] BWA der letzten drei Geschäftsjahre (idealerweise von Steuerberater aufbereitet)
[ ] Einnahmen- und Ausgabenstruktur nach Geschäftsbereichen (WEG, Mietverwaltung, SEV, Gewerbe)
[ ] Vollständige Inhaberertrag-Berechnung mit allen Nebenleistungen
[ ] Bereinigung um Einmaleffekte dokumentieren
[ ] Aktuelle Mandatsliste mit Vertragslaufzeiten und Jahreshonorar pro Mandat
Bewertungsrelevante Unterlagen
[ ] Gesellschaftsvertrag / Handelsregisterauszug
[ ] Mietvertrag Büroräume (Laufzeit, Konditionen)
[ ] Arbeitsverträge aller Mitarbeiter
[ ] Bestehende Verwalterverträge (Muster und Sonderregelungen)
[ ] Software-Lizenzen und Laufzeiten
[ ] Versicherungspolicen (Vermögensschadenhaftpflicht, D&O)
Qualitative Bewertungsfaktoren
[ ] Inhaberabhängigkeit ehrlich einschätzen (Skala 1-10)
[ ] Mandatskonzentration berechnen (Top-5-Mandate als Anteil am Gesamtertrag)
[ ] Digitalisierungsgrad bewerten (Checkliste: Software, DMS, Portale, Automatisierung)
[ ] Mitarbeiterzufriedenheit einschätzen (Fluktuation der letzten 3 Jahre)
[ ] Wachstumstrend dokumentieren (Bestandsentwicklung der letzten 5 Jahre)
[ ] Prozessdokumentation vorhanden? (Ja/Nein pro Kernprozess)
Bewertungsergebnis plausibilisieren
[ ] Ertragswert nach Multiplikatormethode berechnen
[ ] Ertragswert nach DCF oder Kapitalisierung gegenprüfen
[ ] Wert pro Verwaltungseinheit als Plausibilitäts-Check
[ ] Vergleich mit bekannten Transaktionen in der Region
[ ] Steuerliche Nettobetrachtung durchführen
[ ] Unabhängige Bewertung durch Fachberater einholen
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