Due Diligence aus Verkäufersicht: Was Käufer prüfen und wie Sie vorbereitet sind
Wenn der Käufer seine Buchprüfer schickt
Due Diligence klingt nach Großkonzern und Investmentbank. Tatsächlich ist es nichts anderes als eine systematische Prüfung — und sie findet bei jeder seriösen Transaktion statt, auch beim Verkauf einer Hausverwaltung mit 400 Einheiten.
Der Käufer will wissen: Stimmt das, was der Verkäufer erzählt? Sind die Zahlen belastbar? Gibt es verborgene Risiken? Und lässt sich das Unternehmen in die eigene Struktur integrieren?
Für Sie als Verkäufer ist die Due Diligence der Moment der Wahrheit. Was Sie in den Monaten vor dem Verkauf vorbereitet haben — oder eben nicht —, wird jetzt sichtbar.
Die fünf Prüfbereiche einer Due Diligence
1. Financial Due Diligence
Die vollständige Checkliste mit allen Prüfpunkten steht Ihnen als kostenloser Download zur Verfügung — siehe Download-Bereich am Ende dieses Artikels.
Was geprüft wird:
Jahresabschlüsse oder EÜR der letzten 3-5 Jahre
Monatliche BWA des laufenden Jahres
Umsatz- und Ertragsstruktur nach Mandaten und Geschäftsbereichen
Normalisierung des Ertrags (Einmaleffekte, Inhaberleistungen)
Forderungsbestand und Ausfallrisiken
Verbindlichkeiten und Rückstellungen
Typische Stolperfallen: Vermischung privater und geschäftlicher Ausgaben. Ungeklärte Gesellschafterverrechnungskonten. Schwankende Erträge ohne nachvollziehbare Erklärung.
2. Legal Due Diligence
Was geprüft wird:
Gesellschaftsvertrag und Handelsregister
Verwalterverträge (Laufzeiten, Kündigungsklauseln, Haftungsbegrenzungen)
Bestellungsbeschlüsse der WEGs
Arbeitsverträge aller Mitarbeiter
Mietvertrag Büroräume
Versicherungspolicen und Deckungsumfang
Laufende oder drohende Rechtsstreitigkeiten
DSGVO-Dokumentation
Typische Stolperfallen: Verwalterverträge mit Sonderkündigungsrecht bei Inhaberwechsel. Fehlende oder veraltete Bestellungsbeschlüsse. Lücken in der Vermögensschadenhaftpflicht.
3. Operational Due Diligence
Was geprüft wird:
Organisationsstruktur und Verantwortlichkeiten
Kernprozesse und deren Dokumentation
IT-Infrastruktur und Softwarelandschaft
Datenqualität in den Verwaltungssystemen
Inhaberabhängigkeit und Stellvertreterregelungen
Typische Stolperfallen: Kein dokumentierter Prozess für irgendwas. Wissen nur in den Köpfen einzelner Personen. Veraltete Software ohne Migrationspfad.
4. Commercial Due Diligence
Was geprüft wird:
Mandatsstruktur und Mandatsstabilität
Kundenkonzentration (Klumpenrisiko)
Honorarniveau im Marktvergleich
Wachstumsdynamik der letzten Jahre
Wettbewerbsumfeld und Marktposition
Typische Stolperfallen: Wenige große Mandate, die den Ertrag dominieren. Honorare deutlich unter Markt (gut für den Käufer als Potenzial — schlecht, wenn es Mandatsverlust bei Anpassung riskiert). Kein erkennbares Wachstum.
5. Tax Due Diligence
Was geprüft wird:
Steuerbescheide und Betriebsprüfungen
Umsatzsteuerliche Behandlung der Verwalterhonorare
Lohnsteuerliche Korrektheit (Minijobs, Dienstwagen)
Steuerliche Risiken aus der Vergangenheit
Typische Stolperfallen: Noch offene Betriebsprüfungszeiträume. Unsaubere Abgrenzung zwischen privater und geschäftlicher Nutzung von Firmeneigentum.
Wie Sie sich als Verkäufer vorbereiten
Der Datenraum
Alle Prüfpunkte als druckbare PDF-Checkliste finden Sie im Download-Bereich unten.
Stellen Sie alle relevanten Unterlagen in einem strukturierten Datenraum zusammen — physisch oder digital. Die Struktur sollte den fünf Prüfbereichen folgen.
Praktischer Tipp: Nutzen Sie einen cloudbasierten Datenraum mit Zugriffsprotokoll. So wissen Sie, welche Dokumente der Käufer wann angesehen hat — das gibt Ihnen Einblick in seine Schwerpunkte und mögliche Bedenken.
Vendor Due Diligence
Die professionellste Variante: Sie beauftragen selbst eine Due Diligence — bevor der Käufer es tut. Ein Wirtschaftsprüfer oder M&A-Berater prüft Ihr Unternehmen und erstellt einen Bericht, den Sie dem Käufer zur Verfügung stellen.
Vorteile:
Sie kennen alle Schwachstellen, bevor der Käufer sie findet
Sie können Probleme vorab beheben
Der Käufer erhält ein professionelles Bild — das beschleunigt den Prozess
Sie kontrollieren die Darstellung
Kosten: Typisch 8.000 bis 20.000 EUR, je nach Umfang. Bei Transaktionen ab 200.000 EUR Kaufpreis eine sinnvolle Investition.
Probleme proaktiv adressieren
Kein Unternehmen ist perfekt. Wenn es offene Rechtsstreitigkeiten gibt, wenn ein Großmandat wackelt, wenn die Software veraltet ist — dann sprechen Sie das selbst an, bevor der Käufer es entdeckt. Proaktive Transparenz schafft Vertrauen. Verstecken schafft Misstrauen — und Misstrauen tötet Deals.
Was den Deal zum Scheitern bringt
In der Praxis scheitern Due-Diligence-Prüfungen selten an einzelnen Problemen. Sie scheitern an Vertrauensverlust. Wenn der Käufer das Gefühl bekommt, dass Informationen zurückgehalten, geschönt oder falsch dargestellt wurden, steigt er aus — auch wenn das Problem an sich lösbar wäre.
Tipp: Laden Sie sich die Checkliste herunter und haken Sie jeden Punkt bei der nächsten Umsetzung ab.
Die häufigsten Deal-Killer:
Wesentlich abweichende Ertragszahlen (der Inhaberertrag war übertrieben)
Nicht offengelegte Rechtsstreitigkeiten
Verwalterverträge, die bei Inhaberwechsel automatisch enden
Mitarbeiter, die ankündigen zu gehen
Massive IT-Altlasten, die den Integrationaufwand vervielfachen
Der Zeitfaktor
Eine Due Diligence bei einer Hausverwaltung dauert typischerweise vier bis acht Wochen. Bei gut vorbereiteten Verkäufern: vier Wochen. Bei unvorbereiteten: acht Wochen und mehr — mit dem Risiko, dass der Käufer die Geduld verliert.
Die passende Vorlage können Sie als Word-Dokument herunterladen — mit allen Platzhaltern zum Ausfüllen. Siehe Downloads am Ende.
Je besser Ihr Datenraum vorbereitet ist, desto schneller geht es. Und Geschwindigkeit ist im Verkaufsprozess ein Wert an sich: Jede Woche, die verstreicht, erhöht das Risiko, dass etwas dazwischenkommt — ein Mandatsverlust, eine Mitarbeiterkündigung, ein Zinsanstieg.
Finanzen
[ ] Jahresabschlüsse/EÜR der letzten 3-5 Jahre aufbereitet
[ ] Bereinigte Ertragsrechnung erstellt (Inhaberertrag dokumentiert)
[ ] Monatliche BWA des laufenden Jahres aktuell
[ ] Offene Forderungen und Verbindlichkeiten geklärt
[ ] Gesellschafterverrechnungskonten aufgelöst
Recht
[ ] Gesellschaftsvertrag und Handelsregisterauszug aktuell
[ ] Alle Verwalterverträge zusammengestellt und auf Kündigungsklauseln geprüft
[ ] Bestellungsbeschlüsse aller WEGs vorliegend
[ ] Arbeitsverträge vollständig und aktuell
[ ] Mietvertrag Büroräume mit Laufzeit dokumentiert
[ ] Versicherungspolicen zusammengestellt
[ ] Offene Rechtsstreitigkeiten dokumentiert mit Risikoeinschätzung
Betrieb
[ ] Organigramm erstellt
[ ] Kernprozesse dokumentiert
[ ] IT-Landschaft beschrieben (Software, Lizenzen, Verträge)
[ ] Datenqualität geprüft
[ ] Stellvertreterregelungen schriftlich fixiert
Mandate
[ ] Vollständige Mandatsliste (WE, Typ, Honorar, Vertragslaufzeit)
[ ] Mandatskonzentration berechnet
[ ] Mandatsverluste der letzten 3 Jahre dokumentiert
[ ] Wachstumsentwicklung dargestellt
Steuern
[ ] Steuerbescheide der letzten 3 Jahre vorliegend
[ ] Keine offenen Betriebsprüfungen (oder dokumentiert)
[ ] Umsatzsteuerliche Behandlung klar
[ ] Lohnsteuerliche Risiken geprüft
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