Deal-Struktur: Asset Deal vs. Share Deal — steuerliche und rechtliche Implikatio
Zwei Wege, ein Unternehmen zu verkaufen
Beim Verkauf einer Hausverwaltung gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Transaktionsstrukturen: den Asset Deal und den Share Deal. Welche Struktur gewählt wird, hat erhebliche Auswirkungen auf Steuerlast, Haftung, Vertragsübergang und praktische Abwicklung.
Die Wahl der Deal-Struktur ist keine technische Nebensache — sie kann den Nettoerlös für Sie als Verkäufer um 20 bis 40 Prozent beeinflussen.
Asset Deal: Der Kauf einzelner Vermögensgegenstände
Beim Asset Deal kauft der Erwerber nicht das Unternehmen als Ganzes, sondern einzelne Vermögensgegenstände: den Kundenstamm (Mandate), die Software-Lizenzen, das Büromobiliar, ggf. den Mietvertrag für die Büroräume, die Marke.
Die vollständige Checkliste mit allen Prüfpunkten steht Ihnen als kostenloser Download zur Verfügung — siehe Download-Bereich am Ende dieses Artikels.
Typisch bei: Einzelunternehmen und Personengesellschaften. Da es hier keine Gesellschaftsanteile gibt, ist der Asset Deal oft die einzige Option.
Vorteile für den Käufer:
Wählt genau aus, was er übernimmt — und was nicht
Keine Übernahme versteckter Altlasten oder Verbindlichkeiten
Abschreibungspotenzial auf den Kaufpreis (steuerlich vorteilhaft)
Nachteile für den Käufer:
Verwalterverträge müssen einzeln übergeleitet werden (Zustimmung der Eigentümer erforderlich bei Mietverwaltung)
Arbeitsverträge gehen nach §613a BGB automatisch über — können aber Unruhe auslösen
Vorteile für den Verkäufer:
Klare Trennung: Was Sie nicht verkaufen, gehört weiter Ihnen
Bei Einzelunternehmen: Nutzung des Freibetrags nach §16 EStG (45.000 EUR) und der Fünftelregelung
Nachteile für den Verkäufer:
Der Veräußerungsgewinn wird als laufendes Einkommen versteuert (Einkommensteuer bis 45% + Soli)
Fünftelregelung mildert, löst das Problem aber nicht vollständig
Umsatzsteuer auf den Kaufpreis (sofern keine Geschäftsveräußerung im Ganzen nach §1 Abs. 1a UStG vorliegt)
Share Deal: Der Kauf von Gesellschaftsanteilen
Beim Share Deal kauft der Erwerber die Anteile an der Gesellschaft — typischerweise GmbH-Anteile. Das Unternehmen selbst bleibt bestehen, nur die Eigentümer wechseln.
Alle Prüfpunkte als druckbare PDF-Checkliste finden Sie im Download-Bereich unten.
Typisch bei: GmbH und GmbH & Co. KG. Auch bei UG (haftungsbeschränkt).
Vorteile für den Käufer:
Verwalterverträge bleiben unverändert bestehen (die Vertragspartei — die GmbH — ändert sich nicht)
Mitarbeiter bemerken strukturell keine Veränderung
Einfachere Abwicklung bei großen Beständen
Nachteile für den Käufer:
Übernahme aller Verbindlichkeiten und Risiken der GmbH
Kein steuerliches Abschreibungspotenzial auf den Kaufpreis
Due Diligence muss gründlicher sein (versteckte Risiken)
Vorteile für den Verkäufer:
Besteuerung nach Teileinkünfteverfahren: nur 60% des Gewinns sind steuerpflichtig
Effektiver Steuersatz bei Anteilen im Privatvermögen: ca. 27% (gegenüber bis zu 47% beim Asset Deal)
Saubere Transaktion — die GmbH geht als Ganzes über
Nachteile für den Verkäufer:
Gewährleistungen und Garantien im Kaufvertrag (der Käufer sichert sich gegen unbekannte Risiken ab)
Notarielle Beurkundung erforderlich (Kosten)
Ggf. Nachhaftung bei Steuerrisiken
Steuervergleich: Ein Beispiel
Annahme: Kaufpreis 300.000 EUR, Buchwert der Anteile/Assets: 50.000 EUR, Veräußerungsgewinn: 250.000 EUR.
Tipp: Laden Sie sich die Checkliste herunter und haken Sie jeden Punkt bei der nächsten Umsetzung ab.
| Position | Asset Deal (Einzelunternehmen) | Share Deal (GmbH) | |----------|-------------------------------|-------------------| | Veräußerungsgewinn | 250.000 EUR | 250.000 EUR | | Freibetrag §16 EStG | -45.000 EUR | — | | Zu versteuernder Gewinn | 205.000 EUR | 150.000 EUR (60%) | | Steuersatz (geschätzt) | ~42% (mit Fünftelregelung ~35%) | ~42% | | Steuerlast | ~71.750 EUR | ~63.000 EUR | | Netto-Erlös | ~228.250 EUR | ~237.000 EUR |
Die Differenz von knapp 9.000 EUR mag überschaubar klingen. Bei höheren Kaufpreisen wird der Effekt deutlich größer — bei 600.000 EUR Veräußerungsgewinn beträgt die Differenz bereits über 25.000 EUR.
Sonderfall: Die WEG-Verwalterverträge
Ein entscheidender Praxisaspekt bei Hausverwaltungen: Was passiert mit den Verwalterverträgen?
Die passende Vorlage können Sie als Word-Dokument herunterladen — mit allen Platzhaltern zum Ausfüllen. Siehe Downloads am Ende.
Beim Share Deal: Die Verwalterverträge bleiben bestehen. Die WEG hat ihren Vertrag mit der Müller Hausverwaltung GmbH — und diese GmbH existiert nach dem Anteilsverkauf weiter. Die Eigentümergemeinschaft muss nicht zustimmen.
Beim Asset Deal: Die Verwalterverträge können nicht automatisch übertragen werden. Bei WEG-Verwaltung entscheidet die Eigentümerversammlung über die Bestellung eines neuen Verwalters. Bei Mietverwaltung ist die Zustimmung des Eigentümers zum Verwalterwechsel erforderlich.
Das bedeutet: Beim Asset Deal besteht das Risiko, dass einzelne Mandate nicht mit übergehen. Käufer kalkulieren dieses Risiko ein — oft durch einen niedrigeren Kaufpreis oder eine Earn-Out-Komponente, die an den tatsächlichen Mandatserhalt geknüpft ist.
Welche Struktur für Sie?
| Kriterium | Asset Deal | Share Deal | |-----------|-----------|------------| | Ihre Rechtsform | Einzelunternehmen, GbR | GmbH, UG | | Steuerbelastung | Höher | Niedriger | | Mandatsübergang | Einzeln, risikobehaftet | Automatisch | | Haftung nach Verkauf | Begrenzt | Gewährleistungen nötig | | Komplexität | Geringer | Höher | | Typischer Zeitaufwand | 3-5 Monate | 4-6 Monate |
Praxis-Empfehlung: Wenn Sie ein Einzelunternehmen betreiben und der Verkauf in mehr als zwei Jahren geplant ist, prüfen Sie mit Ihrem Steuerberater, ob eine Umwandlung in eine GmbH vor dem Verkauf steuerlich sinnvoll ist. Die steuerlichen Vorteile eines Share Deals können die Umwandlungskosten deutlich übersteigen.
Novumstate begleitet Hausverwaltungen bei Nachfolge und Wachstum — von der Bewertung bis zum Abschluss.
Ihre Downloads zu diesem Artikel
Checkliste (PDF)
Alle Downloads sind kostenlos. Wir bitten Sie lediglich um Ihre E-Mail-Adresse, damit wir Sie über neue Inhalte informieren können.
→ [Kostenlos herunterladen](#download)
Ihre Downloads
Alle Downloads sind kostenlos. Bei E-Mail-geschützten Dateien erhalten Sie den Download nach Eingabe Ihrer E-Mail-Adresse.