Übergangsphase planen: Wie lange bleiben Sie? Was leisten Sie? Was kostet das?
Der Tag nach dem Notartermin
Der Kaufvertrag ist unterschrieben, das Geld geflossen. Und jetzt? In den meisten Transaktionen beginnt jetzt die Phase, die über den langfristigen Erfolg des Deals entscheidet: die Übergangsphase. Der Käufer braucht Ihr Wissen, Ihre Kontakte und Ihre Präsenz — zumindest für eine Weile.
Wie lang diese Phase dauert, was Sie in dieser Zeit tun und wie Sie dafür vergütet werden, ist Verhandlungssache. Und es ist einer der Punkte, die Verkäufer am häufigsten unterschätzen.
Typische Übergangsmodelle
Modell 1: Der kurze Übergang (3-6 Monate)
Die vollständige Checkliste mit allen Prüfpunkten steht Ihnen als kostenloser Download zur Verfügung — siehe Download-Bereich am Ende dieses Artikels.
Sie stehen für Rückfragen zur Verfügung, begleiten die wichtigsten Eigentümerversammlungen und stellen den Käufer bei Beiräten vor. Zeitaufwand: 2-3 Tage pro Woche in den ersten Wochen, dann abnehmend.
Geeignet für: Unternehmen mit geringer Inhaberabhängigkeit, erfahrenes Team, gut dokumentierte Prozesse.
Modell 2: Der mittlere Übergang (6-12 Monate)
Sie arbeiten aktiv im Unternehmen mit — zunächst in voller Kapazität, dann abnehmend. Sie führen Versammlungen, begleiten die Abrechnungssaison und unterstützen bei der Integration.
Geeignet für: Unternehmen mit mittlerer Inhaberabhängigkeit, Übergangsphase überlappt mit einer Abrechnungsperiode.
Modell 3: Der lange Übergang (12-24 Monate)
Sie bleiben als Geschäftsführer oder Berater fest eingebunden. Der Käufer baut parallel eigene Strukturen auf. Ihr Rückzug erfolgt schrittweise und planbar.
Geeignet für: Unternehmen mit hoher Inhaberabhängigkeit, große Bestände, komplexe Mandatsstrukturen.
Was Sie in der Übergangsphase leisten
Die unverzichtbaren Aufgaben
Alle Prüfpunkte als druckbare PDF-Checkliste finden Sie im Download-Bereich unten.
| Aufgabe | Dauer | Typischer Aufwand | |---------|-------|-------------------| | Vorstellung des Käufers bei Beiräten | Monat 1-3 | 10-15 Termine | | Begleitung von Eigentümerversammlungen | Monat 1-6 | Je nach Saison | | Wissenstransfer an Käufer-Team | Monat 1-6 | 2-4 Stunden/Woche | | Übergabe von Handwerker- und Dienstleisterkontakten | Monat 1-2 | Einmalig | | Einführung in laufende Projekte und Vorgänge | Monat 1-3 | Variable | | Verfügbarkeit für Rückfragen | Monat 1-12 | Abnehmend |
Was Sie nicht leisten sollten
Operative Tagesarbeit — das muss vom ersten Tag an das Team des Käufers übernehmen
Neue Akquise — das ist die Aufgabe des Käufers
Personalentscheidungen — Sie sind nicht mehr der Chef
Software-Migration — ein IT-Projekt, das der Käufer steuert
Die Grenze ist wichtig: Sie sind Berater, nicht mehr Geschäftsführer. Wenn Sie nach dem Verkauf operative Verantwortung behalten, verwässert das die Übergabe und verzögert die Loslösung — für beide Seiten.
Vergütung: Was ist Ihre Zeit wert?
Beratervertrag
Tipp: Laden Sie sich die Checkliste herunter und haken Sie jeden Punkt bei der nächsten Umsetzung ab.
Die übliche Form der Vergütung in der Übergangsphase. Typische Strukturen:
| Modell | Vergütung | Zeitaufwand | |--------|-----------|-------------| | Pauschal | 4.000-8.000 EUR/Monat | 2-3 Tage/Woche | | Stundenbasis | 100-180 EUR/Stunde | Nach Aufwand | | Degressive Pauschale | Monat 1-3: 6.000, Monat 4-6: 4.000, Monat 7-12: 2.000 | Abnehmend |
Die degressive Pauschale bildet die Realität am besten ab: Am Anfang ist Ihr Einsatz intensiv, dann nimmt er ab.
Vergütung als Teil des Kaufpreises
Manche Käufer verrechnen den Beratervertrag mit dem Kaufpreis: „Wir zahlen 280.000 EUR Kaufpreis plus 48.000 EUR Beratervertrag." In der Praxis ist das ein Gesamtpaket von 328.000 EUR — aber die steuerliche Behandlung unterscheidet sich: Der Kaufpreis ist Veräußerungsgewinn (begünstigt besteuert), das Beraterhonorar ist laufendes Einkommen (normal besteuert).
Lassen Sie sich von Ihrem Steuerberater durchrechnen, welche Aufteilung für Sie optimal ist.
Kostenfreie Übergangsleistung
Manche Käufer erwarten, dass Sie die Übergangsleistung „im Kaufpreis inbegriffen" erbringen — also ohne separate Vergütung. Akzeptieren Sie das nur bei kurzen Übergangsphasen (maximal 4-6 Wochen) und nur, wenn der Kaufpreis dies kompensiert.
Zeitliche Gestaltung: Der Ausstiegsplan
Ein konkreter Plan für Ihren Rückzug verhindert, dass die Übergangsphase endlos wird.
Die passende Vorlage können Sie als Word-Dokument herunterladen — mit allen Platzhaltern zum Ausfüllen. Siehe Downloads am Ende.
Beispiel für einen 9-Monats-Übergang:
| Monat | Ihre Rolle | Zeitaufwand | |-------|-----------|-------------| | 1-2 | Aktive Einarbeitung, Begleitung aller wichtigen Termine | 4-5 Tage/Woche | | 3-4 | Begleitung ausgewählter Versammlungen, Wissenstransfer | 3 Tage/Woche | | 5-6 | Verfügbarkeit für Rückfragen, gelegentliche Termine | 1-2 Tage/Woche | | 7-8 | Telefonische Verfügbarkeit, Sonderfälle | 0,5 Tage/Woche | | 9 | Abschlussgespräch, formelles Ende | Einmalig |
Wichtig: Vereinbaren Sie ein klares Enddatum. Ohne festes Ende besteht die Gefahr, dass der Käufer Sie länger in Anspruch nimmt als vereinbart — und dass Sie selbst den Absprung nicht schaffen.
Die häufigsten Konflikte in der Übergangsphase
Konflikt 1: „Sie machen das ja sowieso besser"
Der Käufer greift auf Ihre Expertise zurück, statt eigene Kompetenz aufzubauen. Sie fühlen sich geschmeichelt, der Käufer spart Einarbeitungskosten — aber die Übergabe stockt. Lösung: Definieren Sie von Anfang an, welche Aufgaben Sie übernehmen und welche nicht. Halten Sie sich daran.
Konflikt 2: „Das haben wir immer anders gemacht"
Der Käufer verändert Prozesse, die Eigentümer beschweren sich bei Ihnen. Sie sind versucht, einzugreifen. Tun Sie es nicht. Ab dem Closing ist es nicht mehr Ihr Unternehmen. Leiten Sie Beschwerden an den Käufer weiter — sachlich und ohne Wertung.
Konflikt 3: Der Beratervertrag endet, aber der Käufer will mehr
Vereinbaren Sie eine Verlängerungsoption — zu angepassten Konditionen. Wenn der Käufer nach 12 Monaten noch Unterstützung braucht, ist das seine Sache — und Ihr Verhandlungsspielraum.
Struktur
[ ] Übergangsmodell gewählt (kurz / mittel / lang)
[ ] Aufgabenkatalog für die Übergangsphase definiert
[ ] Klare Abgrenzung: Was machen Sie, was macht der Käufer
[ ] Zeitplan mit Meilensteinen erstellt
[ ] Festes Enddatum vereinbart
Vergütung
[ ] Beratervertrag aufgesetzt (Anwalt prüfen lassen)
[ ] Vergütungsmodell gewählt (pauschal, Stunde, degressiv)
[ ] Steuerliche Behandlung mit Steuerberater geklärt
[ ] Abgrenzung zum Kaufpreis dokumentiert
Operativ
[ ] Wissenstransfer-Plan erstellt (Was wird wann an wen übergeben?)
[ ] Kontaktliste übergeben (Handwerker, Dienstleister, Behörden)
[ ] Laufende Projekte dokumentiert und übergeben
[ ] Versammlungskalender für die Übergangsphase geplant
[ ] Beiräte und Schlüsseleigentümer persönlich vorgestellt
Persönlich
[ ] Eigenen Ausstiegsplan definiert (Wann hören Sie auf?)
[ ] Aktivitäten nach der Übergangsphase geplant
[ ] Emotionale Vorbereitung: Es ist normal, loszulassen
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