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Zukunft Immobilienverwaltung
Recruiting & FachkräfteSnackable10 Min Lesezeit

Benefits jenseits Gehalt: Was Hausverwaltungen bieten können — und was wirklich zählt

In Stellenanzeigen der Immobilienbranche liest man regelmäßig: „Wir bieten: flache Hierarchien, Obstkorb, Kaffee-Flatrate, moderne Büroräume." Das sind keine Benefits. Das sind Selbstverständlichkeiten, die als Leistung verpackt werden. Niemand wechselt den Job wegen kostenlosem Kaffee. Und niemand

Benefits jenseits Gehalt: Was Hausverwaltungen bieten können — und was wirklich

Der Obstkorb ist kein Benefit

In Stellenanzeigen der Immobilienbranche liest man regelmäßig: „Wir bieten: flache Hierarchien, Obstkorb, Kaffee-Flatrate, moderne Büroräume." Das sind keine Benefits. Das sind Selbstverständlichkeiten, die als Leistung verpackt werden. Niemand wechselt den Job wegen kostenlosem Kaffee. Und niemand bleibt wegen eines Obstkorbs.

Echte Benefits haben einen messbaren Wert für den Mitarbeiter. Sie lösen ein konkretes Problem, sparen Geld oder verbessern die Lebensqualität. Und sie kosten den Arbeitgeber oft weniger, als eine Gehaltserhöhung kosten würde — bei größerer Wirkung.

Hausverwaltungen, besonders kleinere, unterschätzen ihr Benefit-Potenzial. Sie glauben, dass nur Konzerne sich Zusatzleistungen leisten können. Das Gegenteil ist richtig: Viele der wirksamsten Benefits sind gerade für kleine Unternehmen umsetzbar, weil sie keine aufwendige Verwaltung erfordern und steuerlich begünstigt sind.

Arbeitszeitflexibilität: Der wertvollste Benefit überhaupt

Wenn man Mitarbeiter fragt, was ihnen neben dem Gehalt am wichtigsten ist, steht Arbeitszeitflexibilität mit großem Abstand auf Platz eins. Nicht nur bei Eltern, nicht nur bei Jüngeren — quer durch alle Altersgruppen und Lebensphasen.

Die vollständige Checkliste mit allen Prüfpunkten steht Ihnen als kostenloser Download zur Verfügung — siehe Download-Bereich am Ende dieses Artikels.

Gleitzeit mit Kernzeit

Das Standardmodell für Hausverwaltungen: flexible Arbeitszeiten mit einer Kernzeit, in der alle anwesend sind. Beispiel: Kernzeit 9:30–15:00 Uhr, Gleitzeitrahmen 7:00–19:00 Uhr. Wer morgens um 7 anfängt, kann um 15:30 gehen. Wer Kinder in die Kita bringt, kommt um 9:30 und arbeitet bis 18:00.

Für Hausverwaltungen, die telefonische Erreichbarkeit sicherstellen müssen, funktioniert das über Schichtplanung: Team A ist von 8:00 bis 12:00 für das Telefon zuständig, Team B von 12:00 bis 16:00. Die Gleitzeitregelung bleibt bestehen, die Erreichbarkeit auch.

Arbeitszeitkonto

Ein Arbeitszeitkonto, auf dem Plus- und Minusstunden erfasst werden, gibt Mitarbeitern die Freiheit, Belastungsspitzen mit ruhigeren Phasen auszugleichen. In der Hausverwaltung gibt es klare saisonale Schwankungen: Abrechnungssaison im Frühjahr, Versammlungsmarathon im Herbst, ruhigere Sommermonate. Ein Gleitzeitkonto macht diese Schwankungen handhabbar.

Freitags früher Schluss

Ein kleiner, symbolisch starker Benefit: Am Freitag ist um 13:00 oder 14:00 Uhr Schluss — bei voller Wochenarbeitszeit, verteilt auf Montag bis Donnerstag. Die vier langen Tage sind in der Praxis kaum spürbar, der frühe Freitag schon.

Home-Office: Was geht, was nicht — und was Sie brauchen

Home-Office in der Hausverwaltung ist möglich — mit Einschränkungen. Sachbearbeiter, die Vorgänge digital bearbeiten, Protokolle schreiben, Abrechnungen prüfen und E-Mails beantworten, können das von zu Hause tun. Voraussetzung: eine digitale Verwaltungssoftware und eine sichere VPN-Verbindung.

Home-Office-Ausstattung als Benefit

Wenn Sie Home-Office anbieten, statten Sie den Arbeitsplatz zu Hause aus. Das ist keine Großzügigkeit — es ist Arbeitgeberpflicht nach § 3 ArbStättV (Arbeitsstättenverordnung). Aber die Art, wie Sie es umsetzen, macht den Unterschied:

Minimum: Laptop, Monitor, Tastatur, Maus.

Gut: Zusätzlich ein ergonomischer Bürostuhl (300–500 Euro) und ein höhenverstellbarer Schreibtisch (400–600 Euro).

Sehr gut: Monatlicher Home-Office-Zuschuss von 50 Euro pauschal (steuerfrei bis zu bestimmten Grenzen) für Strom, Internet und Verbrauchsmaterial.

Die Kosten für eine vollständige Home-Office-Ausstattung liegen bei 1.000–1.500 Euro einmalig. Das ist weniger als ein Monatsgehalt — und es bindet Mitarbeiter, die flexibles Arbeiten schätzen.

Weiterbildung: Der Benefit, der sich doppelt rechnet

Weiterbildung ist ein Benefit für den Mitarbeiter und eine Investition für den Arbeitgeber. Ein Sachbearbeiter, der eine Fortbildung zum zertifizierten WEG-Verwalter absolviert, ist danach nicht nur zufriedener — er ist auch fachlich besser.

Alle Prüfpunkte als druckbare PDF-Checkliste finden Sie im Download-Bereich unten.

Was Hausverwaltungen anbieten können

Fachliche Weiterbildung: Seminare der EBZ (Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft), DDIV-Akademie, GTÜ-Seminare für technische Verwaltung. Kosten: 200–500 Euro pro Seminar.

Zertifizierungen: Zertifizierter Verwalter nach § 26a WEG, Immobilienfachwirt (IHK), Weiterbildung nach § 34c GewO. Kosten: 1.500–5.000 Euro, oft über mehrere Monate.

Digitale Lernplattformen: Zugang zu Online-Kursen wie Haufe Akademie, LinkedIn Learning oder branchenspezifischen E-Learning-Angeboten. Kosten: 200–500 Euro pro Jahr pro Mitarbeiter.

Weiterbildungsbudget definieren

Legen Sie ein jährliches Weiterbildungsbudget pro Mitarbeiter fest — z. B. 1.000 Euro. Der Mitarbeiter kann frei entscheiden, wofür er es nutzt (innerhalb fachlicher Relevanz). Das gibt Autonomie und signalisiert: Ihre Entwicklung ist uns etwas wert.

Jobrad: Steuervorteil nutzen

Das Jobrad (Dienstrad-Leasing) ist einer der beliebtesten Benefits in Deutschland — und einer der einfachsten umzusetzen. Der Arbeitgeber least ein Fahrrad oder E-Bike, der Mitarbeiter nutzt es per Gehaltsumwandlung. Der steuerliche Vorteil liegt bei 30–40 Prozent gegenüber dem Privatkauf.

Für den Mitarbeiter: Ein E-Bike im Wert von 3.000 Euro kostet über das Jobrad effektiv rund 1.800–2.000 Euro — verteilt auf 36 Monatsraten.

Für den Arbeitgeber: Kein Nettoaufwand, wenn das Rad per Gehaltsumwandlung finanziert wird. Die Verwaltung des Leasings übernimmt der Anbieter (z. B. JobRad GmbH, BusinessBike, Lease a Bike).

Aufwand: Vertrag mit einem Leasing-Anbieter abschließen, Rahmenvereinbarung in den Arbeitsvertrag aufnehmen. Zeitaufwand: ein halber Tag für die Einrichtung, danach läuft es automatisch.

Betriebliche Altersvorsorge und Zusatzversicherung

Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

Tipp: Laden Sie sich die Checkliste herunter und haken Sie jeden Punkt bei der nächsten Umsetzung ab.

Der Arbeitgeber ist seit 2019 verpflichtet, bei Entgeltumwandlung einen Zuschuss von mindestens 15 Prozent des umgewandelten Betrags zu leisten. Viele Hausverwaltungen erfüllen nur dieses gesetzliche Minimum.

Ein stärkerer Benefit: Der Arbeitgeber stockt den Zuschuss auf 20 oder 25 Prozent auf. Bei einer monatlichen Umwandlung von 200 Euro bedeuten 25 Prozent statt 15 Prozent einen Arbeitgeberzuschuss von 50 statt 30 Euro — 240 Euro Mehrkosten pro Jahr. Für den Mitarbeiter ist der Effekt über 20 oder 30 Jahre erheblich.

Zusatzversicherungen

Zwei Versicherungen, die als Benefit besonders geschätzt werden:

Zahnzusatzversicherung: 15–30 Euro pro Monat, vom Arbeitgeber gezahlt. Deckt Zahnersatz, professionelle Zahnreinigung und kieferorthopädische Leistungen ab. Für den Mitarbeiter ein spürbarer Vorteil, weil Zahnbehandlungen hohe Eigenanteile haben.

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): 40–80 Euro pro Monat, je nach Alter und Gesundheitszustand. Eine BU über den Arbeitgeber zu bekommen, ist für Mitarbeiter besonders wertvoll, weil Gruppenverträge oft günstiger und ohne Gesundheitsprüfung erhältlich sind.

Weitere Benefits, die wenig kosten und viel wirken

30 Tage Urlaub statt 28: Kosten bei 8 Mitarbeitern und einem Durchschnittsgehalt von 42.000 Euro: rund 5.100 Euro pro Jahr für das gesamte Team. Wirkung: hoch, weil Urlaub emotional stärker wirkt als Geld.

ÖPNV-Zuschuss: Das Deutschlandticket (49 Euro/Monat) als Arbeitgeberzuschuss — ganz oder teilweise. Steuerlich begünstigt als Sachbezug. Kosten: 588 Euro pro Mitarbeiter pro Jahr bei voller Übernahme.

Essenszuschuss: Über Anbieter wie Hrmony, Lunchit oder Sodexo können Arbeitgeber steuerfreie Essenszuschüsse von bis zu 7,23 Euro pro Arbeitstag gewähren. Das sind über 100 Euro netto pro Monat für den Mitarbeiter — bei Kosten von rund 1.700 Euro brutto pro Jahr für den Arbeitgeber.

Sonderurlaub: Ein zusätzlicher freier Tag für Umzug, Hochzeit, Geburt eines Kindes, Tod eines nahen Angehörigen. Nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber menschlich selbstverständlich — und ein Zeichen, dass der Arbeitgeber Lebensereignisse ernst nimmt.

Praxisbeispiel: Wie eine Verwaltung in Frankfurt ein Benefit-Paket geschnürt hat

Die Verwaltung Hoffmann Immobilien, sieben Mitarbeiter, 2.100 Einheiten, wollte ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern, ohne die Gehaltskosten signifikant zu erhöhen.

Die passende Vorlage können Sie als Word-Dokument herunterladen — mit allen Platzhaltern zum Ausfüllen. Siehe Downloads am Ende.

Das eingeführte Benefit-Paket:

  • Gleitzeit mit Kernzeit 9:30–15:00

  • Freitags ab 13:00 Schluss

  • Zwei Tage Home-Office pro Woche (Home-Office-Pauschale 50 Euro/Monat)

  • 30 Tage Urlaub

  • Jobrad

  • Weiterbildungsbudget 800 Euro/Jahr pro Mitarbeiter

  • Deutschlandticket (volle Übernahme)

  • Zahnzusatzversicherung (Gruppenvertrag)

Die Gesamtkosten pro Mitarbeiter pro Jahr: rund 3.200 Euro. Das entspricht einer Gehaltserhöhung von 7–8 Prozent — aber durch Steuervorteile und Sachbezugsgrenzen kosten die Benefits den Arbeitgeber netto deutlich weniger.

Die Wirkung: Zwei Mitarbeiter, die mit Wechselgedanken spielten, blieben. Bei der nächsten Stellenausschreibung konnte das Benefit-Paket prominent kommuniziert werden — und die Bewerberzahl verdoppelte sich im Vergleich zur vorherigen Ausschreibung.

Dieser Artikel ist Teil der HV-Akademie, Kategorie Recruiting & Fachkräfte. Sie möchten ein maßgeschneidertes Benefit-Paket für Ihre Verwaltung entwickeln? Sprechen Sie mit unseren Experten über steueroptimierte Zusatzleistungen.

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