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Zukunft Immobilienverwaltung
Recruiting & FachkräfteSnackable10 Min Lesezeit

Mitarbeitergespräche richtig führen: Feedback, Ziele, schwierige Themen ansprechen

In den meisten Hausverwaltungen gibt es kein formales Mitarbeitergespräch. Keine halbjährliche Runde, kein Zielvereinbarungsgespräch, kein strukturiertes Feedback. Kommunikation passiert zwischen Tür und Angel, in der Küche, auf dem Flur. „Passt schon" ist das häufigste Feedback. „Können wir mal red

Mitarbeitergespräche richtig führen: Feedback, Ziele, schwierige Themen ansprech

Das Gespräch, das nie stattfindet

In den meisten Hausverwaltungen gibt es kein formales Mitarbeitergespräch. Keine halbjährliche Runde, kein Zielvereinbarungsgespräch, kein strukturiertes Feedback. Kommunikation passiert zwischen Tür und Angel, in der Küche, auf dem Flur. „Passt schon" ist das häufigste Feedback. „Können wir mal reden?" wird nur gesagt, wenn etwas schiefgelaufen ist.

Das Ergebnis: Mitarbeiter wissen nicht, wo sie stehen. Sie wissen nicht, ob ihre Leistung gut ist, mittelmäßig oder ungenügend. Sie wissen nicht, welche Perspektive sie im Unternehmen haben. Und wenn Probleme angesprochen werden, ist es oft zu spät — die Frustration hat sich aufgebaut, die Kündigung liegt bereits in der Schublade.

Dabei braucht ein gutes Mitarbeitergespräch weder eine Personalabteilung noch ein Formular. Es braucht 30 Minuten, einen ruhigen Raum und die Bereitschaft, ehrlich zu sein — in beide Richtungen.

Die drei Gesprächstypen

1. Das regelmäßige Check-in (alle 4–6 Wochen)

Die vollständige Checkliste mit allen Prüfpunkten steht Ihnen als kostenloser Download zur Verfügung — siehe Download-Bereich am Ende dieses Artikels.

Das Check-in ist kein Performance-Review. Es ist ein kurzes, informelles Gespräch, das eine Frage beantwortet: Wie geht es dem Mitarbeiter — fachlich und persönlich?

Dauer: 20–30 Minuten. Ort: Unter vier Augen, nicht am Schreibtisch vor den Kollegen. Struktur: Drei Fragen genügen:

  1. „Was läuft gerade gut?"

  2. „Wo gibt es Schwierigkeiten oder Frustration?"

  3. „Gibt es etwas, das Sie brauchen — von mir oder vom Team?"

Was Sie nicht tun sollten: Das Gespräch als Gelegenheit nutzen, um Aufgaben zu verteilen oder Fehler zu besprechen. Das Check-in gehört dem Mitarbeiter. Er setzt die Themen.

2. Das Feedbackgespräch (halbjährlich)

Das Feedbackgespräch ist das strukturierte Gegenstück zum Check-in. Hier geht es um Leistung, Entwicklung und Perspektive.

Dauer: 45–60 Minuten. Vorbereitung: Beide Seiten bereiten sich vor. Die Führungskraft sammelt konkrete Beispiele für gute Arbeit und Verbesserungspotenzial. Der Mitarbeiter reflektiert seine eigene Leistung und formuliert Wünsche.

Struktur:

Block 1: Rückblick (15 Minuten) Was wurde in den letzten sechs Monaten erreicht? Was lief besonders gut? Wo gab es Schwierigkeiten?

Block 2: Feedback (15 Minuten) Konkretes Feedback der Führungskraft — positiv und konstruktiv. Nicht: „Sie sind manchmal unorganisiert." Sondern: „Bei den letzten drei Eigentümerversammlungen fehlten Unterlagen. Wie können wir sicherstellen, dass die Vorbereitung vollständig ist?"

Block 3: Entwicklung (15 Minuten) Welche Fähigkeiten möchte der Mitarbeiter ausbauen? Gibt es Schulungsbedarf? Gibt es eine Perspektive — neue Aufgaben, mehr Verantwortung, Spezialisierung?

Block 4: Vereinbarungen (10 Minuten) Was nehmen beide Seiten mit? Welche konkreten Schritte werden vereinbart? Bis wann?

3. Das schwierige Gespräch (anlassbezogen)

Schwierige Gespräche sind die, die Führungskräfte am liebsten vermeiden: Leistungsprobleme ansprechen, Fehlverhalten thematisieren, Trennungsgespräche führen. In kleinen Teams ist die Hürde besonders hoch, weil man dem Mitarbeiter morgen wieder gegenübersitzt.

Genau deshalb ist Struktur hier besonders wichtig. Ein schwieriges Gespräch ohne Struktur wird emotional, ungenau und ergebnislos.

Feedback geben: Die Technik, die funktioniert

Das SBI-Modell (Situation, Behavior, Impact)

Alle Prüfpunkte als druckbare PDF-Checkliste finden Sie im Download-Bereich unten.

Situation: Beschreiben Sie den konkreten Kontext. Nicht „gestern", sondern: „In der Eigentümerversammlung am Donnerstag."

Behavior (Verhalten): Beschreiben Sie das beobachtbare Verhalten. Nicht die Absicht, nicht die Persönlichkeit — das Verhalten. Nicht: „Sie waren unvorbereitet." Sondern: „Die Beschlussvorlagen für TOP 3 und TOP 5 fehlten."

Impact (Wirkung): Beschreiben Sie die Auswirkung. „Die Eigentümer konnten nicht abstimmen und haben die Punkte vertagt. Das bedeutet eine zweite Versammlung in vier Wochen."

Zusammen: „In der Eigentümerversammlung am Donnerstag fehlten die Beschlussvorlagen für TOP 3 und TOP 5. Die Eigentümer konnten nicht abstimmen, und wir müssen eine Nachversammlung einberufen. Wie ist das passiert?"

Das SBI-Modell trennt Beobachtung von Bewertung. Es ist sachlich, nachvollziehbar und gibt dem Mitarbeiter die Möglichkeit, seine Perspektive einzubringen.

Positives Feedback: Genauso konkret

Positives Feedback wirkt nur, wenn es genauso konkret ist wie kritisches. „Gut gemacht" ist besser als nichts, aber es ist nicht gut. Besser: „Die Eigentümerversammlung gestern haben Sie sehr souverän geleitet. Besonders die Diskussion zu TOP 4, wo drei Eigentümer gleichzeitig reden wollten — Sie haben das ruhig moderiert und am Ende einen einstimmigen Beschluss erreicht. Das war stark."

Das kostet zehn Sekunden mehr als „Gut gemacht". Die Wirkung ist zehnmal größer.

Schwierige Themen ansprechen: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Vorbereitung

Tipp: Laden Sie sich die Checkliste herunter und haken Sie jeden Punkt bei der nächsten Umsetzung ab.

Fakten sammeln. Nicht Eindrücke, nicht Hörensagen — Fakten. Welche konkreten Vorfälle gab es? Wann? Was genau ist passiert? Welche Auswirkung hatte es?

Ziel definieren. Was soll am Ende des Gesprächs erreicht sein? Eine Verhaltensänderung? Eine Vereinbarung? Eine Verwarnung? Wer ohne Ziel in ein schwieriges Gespräch geht, kommt ohne Ergebnis raus.

Eigene Emotionen prüfen. Sind Sie verärgert? Dann warten Sie einen Tag. Ein schwieriges Gespräch im Affekt geführt wird fast immer persönlich — und persönliche Gespräche eskalieren.

Gesprächsführung

Einstieg: Direkt und klar. Kein Smalltalk, keine Umwege. „Ich möchte mit Ihnen über [Thema] sprechen, weil es mir wichtig ist, das zu klären." Der Mitarbeiter soll sofort wissen, worum es geht — Unklarheit erzeugt Angst.

Sachverhalt schildern. Beschreiben Sie, was Sie beobachtet haben, mit dem SBI-Modell. Bleiben Sie bei den Fakten. Keine Verallgemeinerungen: Nicht „Sie kommen immer zu spät", sondern „In den letzten zwei Wochen waren Sie dreimal nach 9:30 da, obwohl die Kernzeit um 9:00 beginnt."

Perspektive einholen. „Wie sehen Sie das?" — und dann zuhören. Wirklich zuhören. Es gibt fast immer eine zweite Seite, die Sie nicht kennen.

Erwartung formulieren. „Ich erwarte, dass [konkretes Verhalten] ab [konkretem Zeitpunkt]." Keine vagen Wünsche, sondern klare Erwartungen.

Unterstützung anbieten. „Was brauchen Sie, um das umzusetzen?" — Das signalisiert, dass es um Lösung geht, nicht um Bestrafung.

Vereinbarung dokumentieren. Notieren Sie, was vereinbart wurde, und schicken Sie es dem Mitarbeiter per E-Mail. Nicht als Drohung — als Klarheit.

Zielvereinbarungen: Was in Hausverwaltungen sinnvoll ist

Klassische Zielvereinbarungen aus dem Konzern-Kontext — SMART-Ziele, KPIs, OKRs — passen nur bedingt in eine 8-Personen-Verwaltung. Die Arbeit ist zu vielfältig und zu tagesabhängig, um sie in Quartalsziele zu pressen.

Die passende Vorlage können Sie als Word-Dokument herunterladen — mit allen Platzhaltern zum Ausfüllen. Siehe Downloads am Ende.

Was funktioniert: Entwicklungsziele statt Leistungsziele.

Beispiel Leistungsziel (problematisch): „Sie bearbeiten 95 Prozent der Eigentümeranfragen innerhalb von 48 Stunden." — Das ist messbar, aber es sagt nichts über Qualität. Und es bestraft den Sachbearbeiter, der den schwierigsten Bestand hat.

Beispiel Entwicklungsziel (besser): „Im nächsten Halbjahr leiten Sie drei Eigentümerversammlungen eigenständig — ohne dass ich dabei bin." — Das ist konkret, machbar und fördert Wachstum.

Drei Entwicklungsziele pro Mitarbeiter pro Jahr. Nicht mehr. Und bei jedem Feedbackgespräch: „Wie weit sind wir mit den Zielen? Was brauchen Sie noch?"

Praxisbeispiel: Wie eine Verwaltung in Mannheim Mitarbeitergespräche eingeführt hat

Die Verwaltung Becker Immobilien, neun Mitarbeiter, 3.100 Einheiten, hatte nie formale Mitarbeitergespräche geführt. Der Geschäftsführer ging davon aus, dass die Mitarbeiter schon sagen würden, wenn etwas nicht stimmt. Taten sie nicht. Stattdessen kündigten in zwei Jahren drei Mitarbeiter — alle mit der Begründung „keine Perspektive".

Die Einführung war bewusst niedrigschwellig: Kein Formular, kein IT-System, kein Schulungsprogramm. Stattdessen drei Maßnahmen:

Erstens: Monatliche Check-ins, 20 Minuten, im Besprechungsraum, fester Termin im Kalender. Der Geschäftsführer stellte drei Fragen und hörte zu. In den ersten Gesprächen waren die Antworten kurz und vorsichtig. Ab dem dritten Gespräch öffneten sich die Mitarbeiter.

Zweitens: Halbjährliche Feedbackgespräche mit der beschriebenen Vier-Block-Struktur. Für das erste Mal bereitete der Geschäftsführer sich mit einem einfachen Notizzettel vor — drei Dinge, die gut liefen, ein Punkt mit Verbesserungspotenzial, eine Frage zur Entwicklung.

Drittens: Entwicklungsziele für jeden Mitarbeiter. Nicht ambitionierte Konzern-Ziele, sondern praktische Dinge: „Sie besuchen im nächsten Halbjahr ein Seminar zu WEG-Recht." — „Sie übernehmen ab April die Vorbereitung der Eigentümerversammlungen für Objekt 12 eigenständig."

Ergebnis nach einem Jahr: Die Stimmung im Team verbesserte sich spürbar. Zwei Mitarbeiter sagten im Feedbackgespräch, dass sie vorher über einen Wechsel nachgedacht hatten — die Gespräche hätten sie umgestimmt, weil sie sich zum ersten Mal ernst genommen fühlten.

Was Mitarbeitergespräche nicht sind

Kein Tribunal. Das Gespräch ist keine Verhandlung, bei der der Mitarbeiter sich verteidigen muss. Es ist ein Dialog.

Kein Monolog. Wenn die Führungskraft 80 Prozent der Redezeit hat, ist das kein Gespräch — es ist eine Ansage. Gutes Verhältnis: 50/50.

Keine Einmal-Aktion. Ein einzelnes Mitarbeitergespräch ändert nichts. Die Wirkung entsteht durch Regelmäßigkeit und Verbindlichkeit.

Keine Gehaltsverhandlung. Gehalt gehört in ein separates Gespräch. Wer Feedback und Gehalt in einem Termin vermischt, bekommt beides schlecht.

Dieser Artikel ist Teil der HV-Akademie, Kategorie Recruiting & Fachkräfte. Sie möchten Ihre Gesprächsführung als Führungskraft professionalisieren? Unsere Kommunikations-Coaches bieten individuelles Training für Feedbackgespräche und schwierige Gespräche.

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